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Bin ich genug? Über das Selbstwertgefühl und Bindung.

Bin ich genug? Jeder von uns kennt das Gefühl, zu glauben, nicht genug zu sein.

Gerade in einer Beziehung gibt es immer wieder (schwierige) Themen, die, wenn man es runter bricht, eigentlich etwas mit den eigenen Unsicherheiten zu tun haben – viel mehr noch als mit dem Partner. Oder doch nicht? Ist mein Partner für mein Selbstwertgefühl verantwortlich?

Natürlich sind wir selbst für unser Selbstwertgefühl verantwortlich. Aber warum fühlt es sich so schwer an, dafür die Verantwortung zu übernehmen? Warum wünschen wir uns oft eine Person, die uns liebt und die uns glücklich macht, ohne dass wir dafür etwas aussprechen müssen. Eine Person, die via Gedankenlesen unsere Wünsche und Unsicherheiten zielsicher liest, erkennt und unsere Bedürfnisse stillt.

Oh warte, ich lese diesen Satz noch einmal: Jemanden, der uns liebt und unsere Bedürfnisse erkennt.

Genau genommen sind das die Wünsche eines Neugeborenen. Eines Kindes gegenüber seiner Mutter. Eines Babys, das angewiesen ist auf die Nähe der Eltern, die Fürsorge und das Lesen der Mimik und Gesten, damit es verstanden wird – auch ohne Worte. Ist das der Fall, werden die Bedürfnisse gesehen und gestillt, wird das Baby genährt mit Liebe, Milch und Zuwendung, entstehen Bindung und Vertrauen und ein tiefes Gefühl „ich bin genug“ etabliert sich.

Doch häufig wurden Babys, die vor 2010 geboren wurden, nicht nach diesen Bedürfnissen und sogar ganz bewusst entgegengesetzt versorgt, um sie nicht zu ‚verwöhnen‘.

Wir haben also vermutlich alle als Babys, wenn auch unterschiedlich stark, die Erfahrung gemacht, dass eben nicht unsere Bedürfnisse wichtiger sind als die der Erwachsenen, und damit hat sich die frühkindliche Information tief in uns verankert: wir sind nicht der wichtigste Mensch unserer Eltern. Sondern, alles dreht sich um die anderen, die Eltern drehen sich um sich selbst und das Kind dreht sich um die anderen, was dazu führt, dass die Erwartung von den Eltern an das Kind gestellt wird: Sei nicht wie du selbst. Sei Passend. Es wird dann nicht die Frage gestellt: „Wie ist es wohl, Du zu sein?“, „Wie ist wohl die Welt aus Deiner Sicht?“ Das ist für das Kind sehr verwirrend, denn es kann sich nicht sicher auf seine bedeutsamen Erwachsenen verlassen, es ist unsicher gebunden und erlebt „ich bin nicht genug“.

Dabei bleibt auch im Erwachsenenalter der kindliche Wunsch, es muss doch diesen einen Menschen geben, für den ich die allerwichtigste Person bin. Es ist ein biologisches Bedürfnis nach einem Erwachsenen, der schützt, mich sieht und weiß, was ich brauche. Überträgt sich dieser Wunsch auf eine Beziehung, hat das großes Konfliktpotential und es kann zu Missverständnissen kommen, wenn wir uns dessen nicht bewusst werden und den Blick ins Innere wenden.

 

Autorin

Jamila Mewes The Parents Next Door Blogazine
Ich heiße Jamila und bin integrative Paarberaterin und Coach für Persönlichkeitsentwicklung in Berlin, verheiratet mit Tino Mewes und gemeinsam haben wir 3 Kinder. In unserem Podcast INTENSIV GEWOLLT führen wir intime Gespräche und geben Einblicke in unsere Beziehungsthemen und wie wir mit diesen umgehen. Coachinganfragen und mehr zu meiner Arbeit auf: www.jamilamewes.de

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