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Ein Interview mit
Uschi Glas und Judith Dommermuth

brotZeit The Parent Next Door Cornelia Hutzfeldt Alexia von Wismar Uschi Glas Judith Dommermuth Juvia

Bildrechte: Agency People Image (c.) Michael Tinnefeld

„Aus einer kleinen Idee in Bayern ist eine große Mission für ganz Deutschland geworden: An Grund- und Förderschulen mit erhöhtem Förderbedarf werden Kinder mit einem stärkenden Schulfrühstück versorgt. Nur so können Kinder mit Energie in den Schultag starten.“ (Quelle: brotZeit)

brotZeit

TPND: Liebe Uschi, warum starten so viele Kinder ohne Frühstück in den Tag?

Die Gründe, warum Kinder von zuhause aus nicht ausreichend versorgt werden, sind vielfältig: Prekäre sozioökonomische Familienverhältnisse, belastender Schichtdienst, psychische Überforderung der Eltern oder der alleinerziehenden Elternteile. Manchmal fehlt Eltern aber auch einfach das Bewusstsein für die Relevanz eines Frühstücks. Viele Erwachsene frühstücken selbst nicht und denken vielleicht, dass ihre Kinder das auch nicht brauchen. Aber das ist natürlich falsch. Kinder brauchen ein Frühstück, um denken zu können, Kinder müssen essen, um konzentriert zu lernen.

Was läuft in unserer Gesellschaft falsch, wenn Kinder nicht mit Essen versorgt werden?

Kinder zu erziehen und für Kinder da zu sein, fällt nicht jedem leicht. Manchmal sind Eltern so belastet, dass sie nicht für ihre Kinder sorgen können. Aber ich bin dafür, dass eine humane Gesellschaft dort eingreifen muss, wo es solche Missstände gibt, zum Beispiel durch ein Engagement bei brotZeit als FrühstückshelferIn oder SpenderIn. Wir arbeiten stark daran, das Bewusstsein für hungernde Schulkinder in Deutschland zu schärfen.

Hattet ihr beiden immer ein Frühstück mit in der Schule?

Uschi Glas: Ich bin in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, aber meine Mutter hat es wie keine zweite verstanden, auch mit wenigen Mitteln ein Essen auf den Tisch bzw. in die Pausenbrot-Tasche zu zaubern.

Judith Dommermuth: Auch ich hatte dass Glück, dass meine Mutter immer sehr liebevoll für mich und meine Schwester gesorgt hat und dass unsere Brotbox jeden Morgen ganz selbstverständlich bereit stand.

Was war der Auslöser für die Gründung des Vereins?

Uschi Glas: Ich fuhr mit dem Auto durch das schöne München, als ich im Radio hörte, dass jedes vierte Grundschulkind ohne Frühstück in die Schule kommt. Im reichen München! Ich konnte das erst nicht glauben und beriet mich mit meinem Mann Dieter Hermann. Uns war sofort klar: Wenn das stimmt, dann werden wir handeln und Kindern helfen!

Von der Idee zur Umsetzung: Wie verlief der Start? Wie konnte alles umgesetzt werden?

Uschi Glas: Unsere Umfrage an Münchner Schulen, die wir selbst vornahmen, bestätigte den Radio-Beitrag: Es gab und gibt wirklich Kinder, die hungrig zur Schule kommen, sich nicht auf den Unterricht konzentrieren können und so keine Chance auf einen erfolgreichen Bildungsweg erhalten. Schulleiter an Münchner Schulen erzählten mir sogar, dass Kinder im Unterricht ohnmächtig wurden vor Hunger und baten mich, mit Zwieback und Müsliriegeln auszuhelfen. Mein Mann und ich brachten vier Münchner Schulen „Notfall-Boxen“ für 52 Klassen, merkten aber relativ schnell, dass dies nicht die Lösung sein konnte. Gespräche mit einer sehr engagierten Schulleiterin, Frau Michaela Fellner, die auch heute noch eine Grundschule leitet – an der das brotZeit Projekt angeboten wird – ergaben, dass wir den Kindern am besten mit einem Frühstück direkt in der Schule, vor Unterrichtsbeginn, helfen können. So wurde die Idee von brotZeit geboren.

Was bedeutet brotZeit?

Uschi Glas: brotZeit bedeutet, dass wir Brot und Zeit geben. Brot: Das ist unser Frühstück, zusammengestellt aus 36 verschiedenen Lebensmitteln, die uns seit Vereinsgründung im Jahr 2009 die Firma Lidl spendet. Und das Wort „Zeit“ in unserem Namen soll deutlich machen, dass unsere ehrenamtlich tätigen Frühstückshelfer den Kindern etwas schenken, was diese zuhause oft nicht bekommen: Zeit. Unsere Frühstückshelfer warten morgens auf die Schulkinder, bereiten ihnen ein Frühstück zu und haben Zeit für ein Gespräch. Das macht brotZeit aus.

Warum braucht es den Verein? 

Uschi Glas: Als gemeinnütziger Verein bieten wir Grund- und Förderschulen mit einem erhöhten Förderbedarf eine organisatorische Plattform an, die es den Schulen ermöglicht, ihren Schülerinnen und Schülern vor Schulbeginn ein Frühstück anzubieten. Mittlerweile haben wir 260 Schulen in ganz Deutschland, die am Projekt beteiligt sind; da braucht es schon eine funktionierende Vereinsstruktur als Voraussetzung für Organisation und Finanzierung des Projekts. Nur so können wir zur Chancengerechtigkeit beitragen, denn jedes Jahr verlassen 55.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Mehr als jeder Vierte bricht seine Ausbildung ab und 75 Prozent davon werden zu Hartz-IV-Empfängern. Dies verursacht 1,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Transferleistungen. Wir helfen Kindern mit einem stärkenden Frühstück, damit sie von Anfang an konzentriert lernen können. Nur so haben sie eine reelle Chance auf Bildung und späteren Erfolg im Berufsleben.

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Bildrechte: Agency People Image (c.) Michael Tinnefeld

Profitieren Senioren und Kinder voneinander?

Uschi Glas: Und wie! Kinder schauen sich von den Älteren etwas ab, zum Beispiel, wie man richtig mit Messer und Gabel umgeht, dass man „Guten Morgen“ sagt, und „Bitte“ und „Danke“. Und die Frühstückshelfer haben Freude daran, etwas von ihrer Lebenserfahrung weiterzugeben. Eine klassische „Win-Win-Situation“ also.

TPND: Liebe Judith, schön das auch du heute Zeit für uns gefunden hast. Wie bist du zu brotZeit gekommen?

brotZeit du machst das großartig The Parent Next Door Blogazine Alexia von Wismar Uschi Glas Judith Dommermuth Juvia

Judith Dommermuth: Ich war im Vorstand von Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ und habe dadurch Einblick in sehr viele Projekte nehmen können. brotZeit hat mich von allen Projekten am meisten überzeugt, gerade da es nicht nur den Kindern, sondern auch den Senioren hilft. Ausserdem habe ich gesehen, wie stark sich Uschi und ihr Mann engagieren und das hat mich so sehr überzeugt, dass ich nun dankbar bin, brotZeit unterstützen zu können.

Bekommt der Verein genügend Förderung?

Uschi Glas: Der Verein finanziert sich aus Förderungen der Öffentlichen Hand und aus Spenden von Firmen, Institutionen und Privatleuten. Aber da wir wachsen und unser Projekt an viele weitere Schulen bringen, die für ihre Schülerinnen und Schüler ein brotZeit-Frühstück benötigen, sind wir dringend auf weitere Spenden angewiesen. Das große Glück von brotZeit ist: Wir haben einen privaten Großspender, der sämtliche Verwaltungskosten übernimmt. Damit fließt jeder gespendete Euro in das Projekt selbst und landet nicht in der Verwaltung. Versprochen!

An wie vielen Schulen seid Ihr? Welche Schulen nehmen daran teil?

Uschi Glas: Mittlerweile sind wir deutschlandweit an 260 Schulen vertreten. Wir konzentrieren uns auf die jungen Jahrgänge, weil sich diese Kinder noch nicht selbst helfen und versorgen können. Außerdem hängt der Lebensweg vor allem vom Lernerfolg in der Grundschule ab. Wer hier scheitert, hat es später sehr schwer. Wir gehen dort hin, wo die Not groß ist: An Grund- und Förderschulen mit erhöhtem Förderbedarf in den sogenannten „Brennpunktvierteln“. Denn dort ist die Problemlage, der wir uns ganzheitlich widmen, am größten. Wenn wir eine neue Förderregion eröffnen, können sich die Schulen bei uns bewerben. Dann sprechen wir alle logistischen und praktischen Dinge durch. Bedingung ist zum Beispiel ein Raum, der sich für das gemeinsame Frühstücken eignet. Diesen statten wir dann mit Kühlschränken, Besteck und Geschirr aus – und dann kann es losgehen mit einem täglichen brotZeit-Frühstück.

Brotzeit The Parent Next Door Blogazine Cornelia Hutzfeldt Alexia von Wismar Uschi Glas Judith Dommermuth Juvia brotZeit Shooting in der Weiler-Schule in München Haidhausen am 20.04.2016

Bekommen alle Kinder aus der Schule eine Brotzeit?

Uschi Glas: Zunächst: Wir bieten keine Brotzeit an, wie unser Name vielleicht vermuten lässt, sondern ein Frühstück vor Unterrichtsbeginn. Und ja, das Frühstück vereint alle Kinder der Schule und versteht sich als integratives Projekt. Die gesamte Schulgemeinde kann und darf mit einem stärkenden Frühstück den Schultag gemeinsam beginnen. Alle Kinder der beteiligten Schulen sind willkommen.

Wie wird das Frühstück verteilt? Wie groß ist der logistische Aufwand?

Uschi Glas: Da sprecht Ihr etwas Wichtiges an: Der logistische Aufwand ist immens und wäre nicht ohne die großartige und großzügige Unterstützung unseres Kooperationspartners Lidl denkbar. Alle 14 Tage wird die Ware in den Lidl-Verteilzentren abgeholt und in einer festgelegten Reihenfolge an die teilnehmenden Schulen geliefert. Die von brotZeit beauftragen Logistik-Dienstleister bringen die Frühstückswaren in Kühlfahrzeugen direkt in die Schulen, wo sie von den Frühstückshelfern in die Kühlschränke und Vorratsschränke geräumt werden. 450 Tonnen Lebensmittel im Jahr werden über das brotZeit-Frühstück an die Kinder ausgegeben.

Welchen Erfolg kann der Verein verbuchen?

Uschi Glas: Die Schulleiter der am brotZeit-Projekt beteiligten Schulen berichten uns, dass die Kinder konzentrierter und ausgeglichener sind, seit sie morgens in der Schule frühstücken dürfen. Gibt es eine schönere Bestätigung für die Relevanz unseres Projekts? Einige Lehrer erzählten uns sogar, der Pflasterverbrauch an ihrer Schule wäre zurückgegangen. Satte Kinder sind einfach zufriedener, können sich in einem vertrauensvollen Umfeld kennenlernen, bauen Ängste und Aggressionen im gemeinsamen Gespräch ab und werden so zu Freunden.

In den letzten Monaten waren die Schulen immer wieder geschlossen. Normalität ist noch nicht in Sicht. Wie können die Kinder dennoch durch brotZeit unterstützt werden?

Uschi Glas: Die Pandemie ist schrecklich, aber sie hält uns definitiv nicht davon ab, Kindern zu helfen und zur Seite zu stehen. Uns war von Anfang an klar, dass wir weitermachen wollen und so haben wir ein „Vier-Phasen-Konzept“ entwickelt, das es uns ermöglicht hat, schnell an die Schulen zurückzukehren. Das klassische Buffet mussten und müssen wir wegen der Kontaktbeschränkungen aussetzen, aber wir können Frühstück in Tüten an die Schüler ausgeben oder vorkonfektionierte Frühstücksteller anbieten. Da, wo Kinder im Rahmen der Notbetreuung in der Schule sind oder am Wechselunterricht teilnehmen, da sind wir auch, wenn es uns erlaubt ist. brotZeit geht weiter seinen Weg – mit den Kindern und vor allem für die Kinder.

Was wünscht Ihr euch für die Zukunft der Kinder?

Uschi Glas: Ich wünsche mir, dass alle Kinder in Deutschland die Möglichkeit haben, in der Schule mit einem täglichen Frühstück versorgt zu werden.  Aber solange das noch nicht so ist, kämpfen wir mit unserem brotZeit Projekt darum, dass jedes Kind eine gerechte Chance auf Bildung erhält. Und die fängt nun mal mit einem ausgewogenen Frühstück an.

Judith Dommermuth: Wie Uschi gerade schon gesagt hat: Das Ziel ist es, dass kein Kind in Deutschland hungrig in der Klasse sitzt und dadurch benachteiligt ist!

Wie kann man das Projekt unterstützen?

Uschi Glas: Jeder kann uns unterstützen. Der Senior, der nach seinem Arbeitsleben ein ehrenamtliches Engagement als Frühstückshelfer anstrebt, die Firma, die statt Weihnachtsgeschenken lieber eine Spendeninitiative ins Leben ruft – oder die vielen Privatleute, die sich entscheiden, jeden Monat oder einmalig an brotZeit zu spenden. Jede Spende kommt an. Jede Spende stillt Hunger.

Mit unserer Postkarte „Du machst das großartig!“ möchten wir gemeinsam mit Seeds & Feather – Kraft und positive Energie verteilen. Mit dem Erlös einer Karte, spenden wir ein Frühstück.

Affirmation Du machst das großartig Blogazine The Parents Next Door Postkarte Cornelia Hutzfeldt