Corona Virus – das Leben in Virginia USA

Hi, mein Name ist Katrina und ich lebe mit meiner Familie in Virginia, USA. Vor über 14 Jahren habe ich meinen Mann Daniel kennengelernt und seit 10 Jahren sind wir verheiratet. Unsere drei Töchter – Elisabet (4), Annika (2) und Maddalen (1) – sind wie alle Kinder in diesem Alter, aktiv. Egal ob sie draußen einen Fußball treten oder sich als ihre Lieblings-Disney-Prinzessin verkleiden, sie sind immer in Bewegung. Ich unterrichte unsere Kinder zu Hause, sie gehen auf keine öffentliche Schule, wir waren viel unterwegs und selten zu Hause. Vor dem Virus.

Vor dem Virus verbrachten wir unsere Vormittage damit, in unserem Hinterhof zu lernen, zu spielen und die Natur zu erkunden. Die Nachmittage verbrachten wir in der Bibliothek, auf dem Spielplatz oder waren zu Besuch bei Freunden oder der Familie. Mehrmals die Woche gingen wir zum Gottesdienst und unsere Kinder nahmen an den vielen Kinderveranstaltungen unserer Gemeinde teil.

Mein Mann und ich haben oft auch unsere Paarzeit genossen, ohne Kids oder auch, jeder für sich, mit seiner Clique unterwegs in Bars, auf ein Glas Bier oder  Wein oder man besuchte andere lokale Veranstaltungen. Wir haben ein gutes Leben und sind sehr dankbar dafür.

Aber jetzt, sehen die Dinge anders aus. Heute ist der 31. Tag von Social Distancing und Isolation. Ich war bisher nur zweimal in der Öffentlichkeit um Lebensmittel zu kaufen. Virginia ist einer der südlichen Staaten von Amerika, und unsere Kultur ist besonders offen und freundlich. Es ist nicht ungewöhnlich, ein langes Gespräch mit einem Fremden im Supermarkt zu führen oder Passanten anzulächeln. Aber das offene, das Lächeln wurde von heut auf morgen durch Angst ersetzt und Gesichter sind hinter medizinischen oder selbst gemachten Masken verborgen.

Unsere Pläne für nächstes Jahr, sind ungewiss. Viele unserer Pläne haben wir aufgegeben oder verschoben, wie unsere Reise zum 10 jährigen Hochzeitstag (ohne Kinder!) nach Europa zu fliegen, im Juni 2020. Jetzt, in diesem Augenblick wäre ich einfach glücklich darüber, unter normalen Umständen das Haus verlassen zu können! Es ist eine seltsame Zeit in der wir leben.

In gewisser Weise sieht unser Leben zu Hause genauso aus wie zuvor, aber es fühlt sich ganz anders an. Anstatt ins Büro zu pendeln, arbeitet mein Mann im Home Office, setzt sein Headset auf und verwaltet die IT-Support-Services für ein großes internationales Finanzinstitut.

Ich und die Kids starten den Morgen wie folgt: Lissi und Annika üben ihre Namen, Zahlen und Wörter auf Englisch und Deutsch, wir lesen gemeinsam Bücher, halten das Haus sauber und verbringen so viel Zeit wie möglich draußen. In diesem Jahr starten wir unseren eigenen Obst- und Gemüsegarten, dieses Projekt hat jetzt schon positive Auswirkungen, physisch wie psychisch. Nachmittags besteht unser Küchentisch aus einer Mischung von Buntstiften und Arbeitspapieren, denn während die Mädchen malen und basteln, arbeite ich in Teilzeit, als Administratorin für ein Ingenieurbüro.

Dreimal pro Woche verbinden wir uns mit unserer Gemeinde über Facebook Live oder verabreden uns für einen Gottesdienst über  Zoom. Wir verwenden ständig SMS und WhatsApp, um mit unserer Familie zu sprechen, sie zu sehen oder sie anzurufen, besonders wenn meine Mädchen ihre Großeltern vermissen. Es ist ein schlechter Ersatz für die persönliche Interaktion, aber ich bin dankbar, dass die Technologie vorhanden ist, um uns durch diese Zeit zu helfen!

Wenn Spielzeug und Bücher langweilig werden, wenden wir uns unweigerlich dem WWW zu, um Inspirationen für Spiel- und Bastelideen zu finden. Fernsehen ist der letzte Ausweg! Die Mädchen haben Bilder gezeichnet, um sie an ihre Freunde zu senden, wir haben Einkäufe für andere erledigt und ausgeliefert, meine Großeltern im Altenheim besucht, alles auf Distanz.

Ich bete täglich und wünsche mir, dass bald eine wirksame Behandlung gegen Covid-19 gefunden wird. Um so viele Leben wie möglich zu retten, und dass wir lernen können, unter der neuen „Normalität“ der Unsicherheit zu leben. Trotzdem möchte ich die Zeit, in der wir uns gerade befinden, nicht „wegwünschen“, weil Zeit kostbar ist! Das Leben war immer ungewiss, aber wir vergessen oft, wie wenig Kontrolle wir darüber haben. Ich möchte, dass unsere Kinder wissen, dass es in guten wie in schlechten Zeiten viele Gründe gibt, dankbar zu sein und das es viele Wege gibt, wie wir uns um unsere Nächsten und Nachbarn kümmern können.

Viele meiner Freunde gehen teilweise freiwillig in Home Quarantäne. Jeder tut was verlangt wird, damit der Virus nicht wieder ausbricht. Jetzt geht es darum, dass jeder den anderen schützt. Händehygiene, Masken, keine Umarmungen, keine Veranstaltungen.

Es wird noch genug Zeit für Parties, Restaurant- und Theaterbesuche geben. Aber jetzt müssen wir aufeinander achtgeben. Mit Respekt und Fürsorge für andere.

Autorin

Wir sind eine fünfköpfige Familie und leben in einer kleinen Gemeinde in Virginia, zwei Stunden südlich von Washington DC. Wir sind von Bäumen, Feldern und Wildtieren umgeben und die nächstgelegene Stadt ist fast 50 km von uns entfernt ist. Wir genießen den langsamen und ruhigen Lebensstil. Unsere Sommer verbringen wir normalerweise mit Angeln und Schwimmen an den Stränden von Ost-Virginia und North Carolina, wir erkunden die Berge westlich von uns oder werden vorübergehend zu Einheimischen, bei langen Besuchen mit der Familie in Deutschland. Wir lieben es zu reisen und wir lieben es draußen zu sein!

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