Elternsex – oder aber, Sex mit Hindernissen.

Warum fällt es schwer, eine Paarbeziehung aufrechtzuerhalten?

„Es ist doch ironisch, Sex macht Babys, und Babys machen das sexuelle Desaster für Paare.“ – Esther Perel

Aber warum ist das so? Warum fällt es so vielen Paaren schwer, nach dem ersten Kind eine erotische Paarbeziehung aufrechtzuerhalten?

Viele Eltern sind erschöpft vom Alltag, den schlaflosen Nächten, dem Wickeln und Organisieren eines Familienalltags.

Unser Baby fordert uns sämtliche Spontanität ab, ist das neue Abenteuer im Leben und Glück des Paares. Wo der Fokus für Verspieltheit, Aufregung und Interesse, wie Carrie Bradshow schrieb, B.C. (Before Children) noch im Paar lag, verschieben sich meistens all diese Eigenschaften zu Gunsten des Kindes in die Elternschaft und am Ende des Tages „ist nichts mehr übrig“.

The Parents Next Door Elternsex nach der Geburt Jamilia Mewes

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Die Eltern übernehmen Verantwortung, schaffen Sicherheit für die Familie und planen was das Zeug hält, all das, was Kinder auch brauchen. Doch leider bringt es uns sehr weit weg von unserer erotischen Stimmung und sexuellen Energie.

Eltern sein

Hinzu kommt noch für das Elternteil, das sich überwiegend um das Baby kümmert, dass es abends eine gewisse Sattheit an Berührungen verspürt. Nach einem Tag voll kuscheln, spielen, kitzeln, toben, stillen und füttern, wird unter anderem Oxytocin ausgeschüttet. Das Kuschelhormon, was auch beim Sex ausgeschüttet wird.

Genau genommen ist es also nicht so, dass wir nach dem Tag mit Baby leer sind, sondern voll. Voll von Hormonen und satt an Berührungen, sodass die Notwendigkeit weniger stark verspürt wird, nun noch auf der Paarebene zu „spielen“, zu kuscheln, zu küssen und sich Aufmerksamkeit zu geben.

Wissenschaftlich wird sogar angenommen, dass die verliebte Phase, in der wir gar nicht genug voneinander kriegen und das Bett kaum verlassen, nur zeitlich begrenzt sein soll, damit wir uns dann gut um den Nachwuchs kümmern können, der womöglich dabei entstanden ist und nicht abgelenkt sind und womöglich das Kind vergessen oder als weniger wichtig einordnen.

Wir erleben als Paar, das Eltern wird, biologisch etwas absolut Normales. Die Mutter hat „Lust“, sich um ihr Baby zu kümmern. Der Fokus der Sexualität als Paar ist erst einmal, biologisch betrachtet, unwichtig geworden – bis ein 2. Kind möglich wäre.

Paar bleiben

Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der wir glücklicherweise nicht nur zur Fortpflanzung Sex haben. Uns ist eine Partnerschaft, trotz Elternsein so wichtig wie noch nie.

Vor 100 Jahren war es noch völlig normal, dass der sexuelle Spaß nicht innerhalb der Ehe stattfindet. Die Ehe war der Produktionsraum für Nachwuchs.

Heute erleben Paare es als leidvoll, auf Sexualität in der Ehe oder Partnerschaft zu verzichten und wünschen sich Familie und erfüllte Sexualität mit derselben Person.

Nicht die Kinder löschen das Feuer im Paar. Es sind die Erwachsenen, die sich nicht ausreichend darum kümmern, die Lust aufeinander lebendig zu halten.

All die Energie, die es bräuchte, Erotik aufrecht zu erhalten, bekommen die Kinder.

Ein Beispiel

Wunderschöne, zuckersüße, geschmackvolle Kleidchen, passende Schühchen. Der stylische Kinderwagen. Playdates, musikalische Früherziehung und auch sonst werden wir nicht müde, zu schauen, was noch wichtig, nötig, chic und erstrebenswert wäre. Natürlich auch um sicherzustellen, unserem Kind geht es gut und fehlt es an nichts. Und sind wir einmal ehrlich zu uns, es beglückt uns Eltern schon, wenn unser süßes Kind so angezogen ist, dass es zum Kinderwagen passt.

Die Kreativität, Zeit, Lust und Energie, die wir hier investieren fehlt uns dann an anderer Stelle – in unserer Partnerschaft.

Denn es ist das, was eine erotische Spannung ausmacht: Kreativität, Lust, Energie, Neugier und ZEIT miteinander zu verbringen.

Transfer

Der Transfer, in einer Partnerschaft nach Baby ist nötig. Nicht unbedingt im ersten Babyjahr, doch dann sollte sich das Paar die Energie zurückholen. Den Raum für die Dinge, die eine lebendige, erotische Energie schaffen, die zur Sexualität führen. Und dafür muss das Baby nicht separat schlafen. Der „Raum“ ist ortsunabhängig und lässt sich gut vereinen mit einem Familienbett.

Es kann schwer sein, in diesem neuen Raum festzustellen: was einmal für uns Zwei gut funktioniert hat und was ich einmal sehr mochte, fühlt sich nicht mehr gut an.

Das ist normal. Der Körper der Frau nach der Geburt hat sich verändert und damit vielleicht auch Bereiche der Lust oder die erogenen Zonen.

Was schön daran ist, wenn dieser neue Raum zwischen einem Paar entsteht, ist das Potential einer neuen Sexualität. Einer, die bis hierhin vielleicht unbekannt war. Dazu braucht es die Neugier, Lust und es ist lohnenswert, sich hierfür ausreichend Zeit zu nehmen. Denn Sex ist so viel mehr als Penetration.

Zeit ist unser Wertvollstes Gut und genau deswegen ist es so wichtig Prioritäten zu setzen. Und neben den offensichtlichen Prioritäten, auch unserer Beziehung eine Wichtigkeit zuzusprechen.

Kuchenprinzip

Wenn wir einen Kuchen aufteilen und es sitzen fünf hungrige Bäuche am Tisch, wäre es doch selbstverständlich, diesen Kuchen in fünf gleiche Teile aufzuteilen.

Es ist absolut richtig und normal ist es, dass ein Baby in den ersten 12-18 Monaten das „größte Stück Kuchen“ bekommt von euch. Es ist gerade für das Baby  enorm wichtig, dass die Eltern nicht daneben verhungern.

Diese Verantwortung müssen wir Eltern übernehmen und unserer Partnerschaft die Wichtigkeit geben, die sie braucht. Es ist absolut in Ordnung, eine ganze Weile keinen Kuchen oder nur kleine Stücke zu essen und diese auch noch sehr selten. Aber irgendwann wird der Heißhunger immer größer oder es wird gar kein Hunger mehr gespürt. In beiden Fällen, ist es wichtig das zu spüren, ernst zu nehmen und dann auch anzusprechen. In manchen Fällen ist das Fehlen der Sexualität ein Symptom eines darunter liegenden Thema in der Beziehung und wird getarnt durch Zeitmangel und Kinder im Bett. In solchen Fällen birgt Beziehungscoaching oder Paartherapie eine gute Möglichkeit zu schauen, was eigentlich hinter der Blockade steckt.

Das Überleben einer Familie basiert auf der Zufriedenheit des Paares. Die Zufriedenheit eines Paares ist heutzutage auch geprägt durch eine gesunde sexuelle Verbindung. Bekommt die Sexualität keine besondere Aufmerksamkeit, führt es über kurz oder lang zur Fragilität der Beziehung.

In unserem Beziehungs-Podcast INTENSIV GEWOLLT Folge 15, spreche ich mit meinem Mann über  „Elternsex“.

Autorin

Jamila Mewes The Parents Next Door Blogazine
Ich heiße Jamila und bin integrative Paarberaterin und Coach für Persönlichkeitsentwicklung in Berlin, verheiratet mit Tino Mewes und gemeinsam haben wir 3 Kinder. In unserem Podcast INTENSIV GEWOLLT führen wir intime Gespräche und geben Einblicke in unsere Beziehungsthemen und wie wir mit diesen umgehen. Coachinganfragen und mehr zu meiner Arbeit auf: www.jamilamewes.de

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