Family X-Files –
Abmachungen mit Teenagern

Wir sind eine Familie auf Geheimmission. Wir, das bin ich, mein Mann, zwei Jungs und zwei Katzen.

Und das mit der Mission meine ich ernst. Tatsächlich sind wir auf so einigen Missionen.

Eine davon werde ich heute verraten: Es geht um das sichere Zurückholen der jungen Agenten.
Unser geheimer Code für diese Mission lautet: xxx

Family X-Files

Abmachungen mit Teenagern

Wir sind eine Familie auf Geheimmission.

Wir, das bin ich, mein Mann, zwei Jungs und zwei Katzen.

Fritzi van Ribbeck The Parents Next Door Eltern Blogazine Autorin Kolumne Family X-Files

Ich heiße Fritzi van Ribbeck, bin Autorin und Lektorin und lebe mit Mann, zwei Kindern und zwei Katzen in der Pfalz.
Mein Kopf ist immer voll mit Geschichten und Ideen und wenn man mir den Kaffee nicht verweigert, bin ich ein sehr umgänglicher Mensch.
Als geborenes Nordlicht brauche ich immer ein Stück Himmel über dem Kopf und eine steife Brise um die Nase.

„Und das mit der Mission meine ich ernst. Tatsächlich sind wir auf so einigen Missionen.”

Eine davon werde ich heute verraten: Es geht um das sichere Zurückholen der jungen Agenten.
Unser geheimer Code für diese Mission lautet: xxx

Nach fast dreizehn Jahren des Mutterseins habe ich mich an das Gefühl des Loslassens gewöhnt. Kinder, die sich frei bewegen, eigenständig Verabredungen ausmachen und sich alleine mit Freunden treffen, geben auch mir Freiheit zurück. Das obligatorische Telefonat mit dem anderen Elternteil, das ständige Gefühl, hauptberuflich Taxi zu sein, fällt mehr und mehr weg. Ich vertraue meinen Jungs.

Was mir aber manchmal zu denken gibt, sind die ‚Zwänge‘ die in Gruppen auftauchen können. Der Peer Pressure. Sich in einer Gruppe zu bewegen und bis zu einem gewissen Grad anzupassen, gehört dazu. Aber was ist, wenn sich meine Jungs in einer Situation wiederfinden, der sie nicht gewachsen sind? Sie verabreden sich, es kommen vielleicht noch andere Kids dazu und plötzlich verändert sich die Dynamik. Natürlich ist der erste Gedanke: ‚Ich habe sie zu selbstbewussten Menschen erzogen, sie können sagen, wenn sie etwas nicht richtig finden.‘

Die Mission

Stimmt, darum bemühe ich mich. Aber im Leben läuft nicht immer alles perfekt. Manchmal fühlt man sich unwohl, will aber kein Spielverderber sein und der Freund / die Freundin will unbedingt noch bleiben. Man selbst spürt, hier läuft was so richtig schief für mich, ich will kein Teil davon sein. Doch wie komme ich da raus, ohne mich zu blamieren?
Genau in dem Moment setzt im Hintergrund die Agentenmusik ein. Die Mission beginnt.
Unsere Verabredung ist folgende:

Wenn du dich an einem Ort oder in einer Situation unwohl fühlst,
dann schicke ‚xxx‘ als Nachricht an uns.

Du bekommst daraufhin einen Anruf, in dem wir dir sagen, wie schnell wir dich abholen können.

Du sagst laut Dinge wie:
‚Echt? Ihr müsst mich abholen?
Ich bin doch gerade erst hier angekommen bei ***.‘

Wahlweise kann das auch mit:
‚Das ist jetzt echt blöd.‘ ausgeschmückt werden.

Der Code

Mein Mann oder ich werden uns unverzüglich auf den Weg machen. Angekommen verhalten wir uns wie nervige Eltern, die ganz dringend ihr Kind abholen wollen. Oder erzählen von Tante Ernas Geburtstag, zu dem wir genau jetzt noch unbedingt müssen. Es ist mir in der Situation gleichgültig, wie uncool ich wirke, oder ob mein Kind diese Situation von vornherein hätte vermeiden können. Wichtig ist für mich nur, dass er in diesem einen Moment weiß, dass er anrufen kann und ohne Diskussion abgeholt wird. Alle Unterhaltungen, die nötig sein könnten, führen wir zu gegebener Zeit in Ruhe daheim. Warum xxx? Es kann jeder Buchstabe sein. Wir haben uns einfach darauf geeinigt. Es lässt sich schnell und unkompliziert tippen und vermeidet Fragen. Und wenn nur dieser Code ohne weiteren Text geschickt wird, wissen wir, dass es dringend ist.

Mein Mann oder ich werden uns unverzüglich auf den Weg machen. Angekommen verhalten wir uns wie nervige Eltern, die ganz dringend ihr Kind abholen wollen. Oder erzählen von Tante Ernas Geburtstag, zu dem wir genau jetzt noch unbedingt müssen. Es ist mir in der Situation gleichgültig, wie uncool ich wirke, oder ob mein Kind diese Situation von vornherein hätte vermeiden können.
Wichtig ist für mich nur, dass er in diesem einen Moment weiß, dass er anrufen kann und ohne Diskussion abgeholt wird. Alle Unterhaltungen, die nötig sein könnten, führen wir zu gegebener Zeit in Ruhe daheim. Warum xxx? Es kann jeder Buchstabe sein. Wir haben uns einfach darauf geeinigt. Es lässt sich schnell und unkompliziert tippen und vermeidet Fragen. Und wenn nur dieser Code ohne weiteren Text geschickt wird, wissen wir, dass es dringend ist.

Als Kind ist so einiges nervig, wenn es von den Eltern kommt. Diese Vereinbarung finden aber alle Familienmitglieder toll. Ok, für die Katzen kann ich nicht sprechen, aber zumindest die Zweibeiner sind alle an Bord. Auch der Teenager. Vielleicht liegt es daran, dass es uns als Familie zusammenschweißt, wenn wir eine geheime Verabredung haben. Bei dieser Vereinbarung geht es nicht darum, wie ein Helikopter über den Freizeitaktivitäten der Kinder zu kreisen. Ich bin auch kein Elterntaxi, dass auf Abruf bereitsteht. Aber wenn es brenzlig wird, will ich helfen können.

Ich finde es wichtig, innerhalb der Familie Abmachungen zu treffen. Und ich finde es essenziell, Kinder loszulassen. Sie sollen raus, von anderen lernen, ihre eigenen Erfahrungen machen und sich bewusst werden, dass Taten Konsequenzen haben, mit denen sie dann leben müssen. Aber zuzugeben, dass man mit einer Situation gerade nicht zurechtkommt, bzw. mit der Tatsache, dass man sein Gesicht vor den anderen nicht verlieren will, ist nicht einfach. Es zeugt von Vertrauen, wenn man genau dann seine Eltern informiert. Das Wissen um unseren geheimen Code gibt uns allen etwas mehr Sicherheit. Die Jungs fühlen sich ein klitzekleines bisschen unsichtbar beschützt und ich fühle mich wohler, weil ich weiß, dass sie sich melden, wenn etwas nicht stimmt.

xxx ist unser Code für: ich brauche deine Hilfe, ich komme hier gerade nicht zurecht.

Fritzi van Ribbeck The Parents Next Door Eltern Blogazine Autorin Kolumne Family X-Files

Ich heiße Fritzi van Ribbeck, bin Autorin und Lektorin und lebe mit Mann, zwei Kindern und zwei Katzen in der Pfalz.
Mein Kopf ist immer voll mit Geschichten und Ideen und wenn man mir den Kaffee nicht verweigert, bin ich ein sehr umgänglicher Mensch.
Als geborenes Nordlicht brauche ich immer ein Stück Himmel über dem Kopf und eine steife Brise um die Nase.

Darum! Kolumnen