Körpergefühl

Jana’s Geschichte

Wer bist du und was ist deine Geschichte?

Ich heiße Jana, bin 33 Jahre alt und Mutter eines 3-jährigen Sohnes und einer 1,5-jährigen Tochter.

Ich habe im Jahr 2020 mein Leben komplett umgekrempelt und mit Hilfe von Weight Watchers und viel Sport insgesamt 42 kg abgenommen.

Ich war 18 Jahre lang übergewichtig, mal mehr mal weniger und das hat stark an meinem Selbstbewusstsein geknabbert. Ich fand mich zeitweise ganz hübsch, war aber nie zufrieden mit meinem Körper und hatte deshalb immer starke Selbstzweifel.

Meinen Mann habe ich vor 16 Jahren kennengelernt, damals noch mit leichtem Übergewicht, innerhalb der ersten zwei Beziehungsjahre nahm ich allerdings rapide zu, auf ca. 100kg. Im Laufe der Jahre versuchte ich alles Mögliche um abzunehmen, aber weniger als 90 kg schaffte ich nie.

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2014 begann bei uns der Kinderwunsch und ich war fest in dem Glauben, dass ich sofort schwanger werden würde, denn so funktioniert das doch, oder? Doch nach 6 Monaten wurde bei mir das PCO Syndrom festgestellt. Diese Diagnose war hart und der erste Rat der mir gegeben wurde, war es Gewicht zu verlieren um unsere Chancen zu verbessern. Da ich das nicht gleich schaffte, bekam ich vorerst Tabletten um die Produktion der Eizellen zu verbessern und der Eisprung wurde mittelst Spritze ausgelöst. Ich wurde 2 mal schwanger, die erste Schwangerschaft endete nach nur 6 Wochen und die 2. in der 9. SSw. Im Jahr 2016 schaffte ich es schließlich von 110kg auf knappe 90kg abzunehmen, durch strenges Kalorien zählen und 5-6 Tagen Training im Fitnessstudio. Im Jänner 2017 hielt ich erneut einen positiven Schwangerschaftstest in Händen und dieses Mal verlief die Schwangerschaft bis auf leichte Blutungen am Anfang problemlos ab. Ich warf sofort mit positivem Schwangerschaftstest alle Ernährungsverbote über Bord und aß alles worauf ich so lang verzichtet hatte. Am Ende der Schwangerschaft hatte ich dann 108 kg, aber das war nebensächlich, denn ich hielt unser Wunder in Armen.

Bei meiner Tochter wurde ich im ersten Zyklus, nachdem ich unseren Sohn abgestillt hatte, gleich schwanger. Ich startete mit 110kg in die Schwangerschaft und versuchte einfach dieses Gewicht zu halten. Meine Tochter kam 2019 per spontanem Kaiserschnitt zur Welt, wie auch mein Sohn 2 Jahre zuvor. Doch dieses Mal fiel mir relativ schnell auf, dass sich mein Bauch besonders auf Höhe des Bauchnabels nicht zurückbildete.

Weder meine Hebamme, noch Ärzte konnten mir erklären warum das so war und ich war völlig verzweifelt. Bei der Rückbildungsgymnastik fragte ich dann ebenfalls nach, ob die Hebamme eine Idee hätte was das sein könnte. Sie äußerte als erste den Verdacht auf eine Rektusdiastase und verwies mich an eine erfahrene Kollegin. Die Stellte dann fest, dass meine Rektusdiastase etwa handbreit geöffnet war. Als frisch gebackene zweifach Mama ist man ohnehin oft überfordert und geplagt von Selbstzweifeln, die Problematik mit der Rektusdiastase setzte dem ganzen nur noch das Krönchen auf.

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Ein sehr einprägsames Erlebnis hatte ich 2 Monate nach der Geburt meiner Tochter. Wir waren gemeinsam mit der Familie meines Bruders im Bayernpark und wollten dort einen schönen Tag verbringen. Gemeinsam mit meinem Bruder setzte ich mich in ein Fahrgeschäft und wir warteten, dass es los geht. Die Dame die das Fahrgeschäft betreute, kontrollierte noch einmal alle Bügel und als sie zu uns kam sagte sie: „Entschuldigung sie sind aber nicht schwanger?“ Und deutete dabei auf ein Schild auf dem eine durchgestrichene schwangere Frau abgebildet war. Ich lächelte verlegen und sagte: „Nein, ich habe nur erst kürzlich ein Kind bekommen.“ Es war ein Gefühl wie angeschossen zu werden. Es zeigte mir, dass ich nicht nur das Gefühl hatte durch die Rektusdiastase immer noch schwanger auszusehen, sondern es fiel tatsächlich anderen auf.

Ich versuchte mir durch Ärzte und Physio Hilfe bei der Rückbildung zu holen, doch nichts zeigte Wirkung und ich wurde immer unglücklicher und depressiver.

Ich hatte eine solche Wut und einen solchen Ekel vor meinem Körper, dass ich mir jeden Tag wünschte einfach tot zu sein.

Mein Mann wollte alles tun um mir aus diesem Tief zu helfen und fand mit Hilfe des Internets heraus, dass es auch sein kann, dass eine zu große Rektusdiastase sich nicht mehr von selbst schließt und dies durch eine Operation behandelt werden muss. Ich wollte mich aber nicht „einfach“ per Schönheitsoperation behandeln lassen, denn ich war auch mit dem Übergewicht und so vielem anderen unzufrieden – das konnte man nicht einfach alles wegoperieren. Um die bestmögliche Hilfe zu bekommen beschloss ich zunächst mir eine Psychotherapeutin zu suchen, doch auch dort bekam ich nicht die Hilfe die ich benötigte.

Mittlerweile war es Dezember und die Zeit der Kekse begann. Meine Schwiegermutter hatte sehr diszipliniert über den Sommer einige Kilos abgenommen und schickte mir nun ein Foto ihrer Lieblingskekse mit dem Text „Schauen sie nicht lecker aus? Heuer schau ich sie mir leider nur an“. Da legte sich bei mir innerlich ein Schalter um. Ich dachte, wenn meine Schwiegermutter sogar auf ihre Lieblingskekse verzichten kann, dann kann ich auch etwas tun. Mir schossen mal wieder die Weight Watchers in den Kopf, da meine Mutter in den 80er Jahren damit mal erfolgreich abgenommen hatte. Auf Instagram fand ich dann auch sofort viele tolle vorher/nachher Bilder von Frauen die damit bereits erfolgreich abgenommen hatten, was mich noch mehr motivierte. Mein Entschluss stand fest! Sofort suchte ich mir einen Workshop in meiner Nähe heraus und ging am nächsten Tag zur Einschreibung. Es war der 12. Dezember 2019. Gemeinsam mit meiner 4 Monate alten Tochter spazierte ich hinein und sagte entschlossen: „Ich will mich einschreiben!“ 12 Tage vor Weihnachten.

Kein leichter Zeitpunkt, aber ich war entschlossen mein Leben JETZT zu ändern!

Und dieses Mal lief es von Anfang an gut, die Kilos purzelten, trotzdem war es natürlich nicht immer leicht, aber ich lies mich von meinem Ziel nicht abbringen. Anfang 2020 machte ich mir aber auch einen Termin mit einem Schönheitschirurgen aus, um meine Rektusdiastase operativ behandeln zu lassen. Der Termin für die Erstbesprechung war für April 2020 angesetzt. Im März 2020 kam dann der erste Lockdown und es war ein Gefühl unglaublicher Ohnmacht. Da begann ich Zuhause zu trainieren und weil ich merkte, wie gut mir das in dieser Zeit tat begann ich täglich zu trainieren. Etwas das ich mir bis heute beibehalten habe. Ich laufe, trainiere mit dem Hulla Hoop Reifen und wandere leidenschaftlich gerne.

Bis zur Erstbesprechung beim Arzt hatte ich schon 18 kg abgenommen. Er erklärte mir genau wie eine solche Operation ablaufen würde und dass er diese Operation meist mit einer Bauchdeckenstraffung kombiniert.

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Deshalb war für mich klar, dass die Operation erst stattfinden konnte, wenn ich fertig war mit meiner Abnahme. Dennoch wollte ich die Operation sobald als möglich, da mir die Rektusdiastase neben psychischen Problemen auch körperlich zusetzte, meine Organe fühlen sich ungeschützt an, Luft blubberte in meinem Bauchraum herum und auch beim Sport musste ich immer aufpassen, nichts zu tun was der Rektusdiastase schaden könnte. Deshalb machte ich mir noch bei der Erstbesprechung einen Termin für die Operation, für November 2020 aus. So hatte ich immer mein Ziel fest vor Augen. Einige Zeit danach wurde mir klar, dass durch die Abnahme und das Stillen wohl auch meine Brust gestrafft werden müsste und ich vereinbarte erneut einen Termin zur Besprechung bei meinem Arzt. Für mich war klar, dass ich dabei kein Implantat eingesetzt bekommen möchte, denn der Hauptgrund warum ich eine Straffung wollte war, weil meine Brust beim Sport ständig aufgerieben wurde und mir war klar, dass zu meinem sportlichen Lebensstil kein großer Busen passen würde. Mein Arzt schlug mir zum Glück vor die Bruststraffung gemeinsam in einer Operation mit der Rektusstraffung und Bauchdeckenstraffung zu machen.

Der Termin für die Operation rückte immer näher, doch 10 Tage vor der Op rief die Ordination meines Arztes an und teilte mir mit, dass er sich mit Corona infiziert hatte und meine Operation auf Dezember verschoben werden musste. Am 10. Dezember 2020 war es dann endlich soweit. Ich hatte alles gegeben und unglaubliche 42 kg abgenommen und nun erfüllte sich mein großer Traum, die ultimative Belohnung für all meine Mühen.

Allerdings fühle ich mich nicht erst seit der Operation wohl in meinem Körper. Es begann ca. ab dem Zeitpunkt wo ich 35kg abgenommen hatte. Plötzlich begann sich mein komplettes Körpergefühl zu ändern. Ich war stolz auf mich und meinen Körper. Meine Kleidung konnte ich danach auswählen, was mir gefällt und nicht danach was es eben in meiner Größe grad gab.

Endlich hatte ich das Gefühl gerne ich zu sein. 

Etwas wonach ich mich lange gesehnt hatte. Früher wenn mich jemand im Vorbeigehen ansah, dachte ich nur darüber nach, was sich die Person alles Negatives zu mir denken könnte, jetzt denke ich ganz selbstbewusst: „Ja da schaust du, was ich für einen tollen Körper habe. Das hab ich alles durch harte Arbeit erreicht!“ Ich bekomme unglaublich viel positives Feedback und habe das Gefühl endlich so gesehen zu werden, wie ich es mir immer gewünscht hatte, vor allem weil ich mich selbst jetzt so sehe.

Wie geht es dir seit der Operation, physisch wie auch psychisch?

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Die ersten Tage nach der Operation waren ziemlich schwer, da alles unglaublich mühsam war und ich viel Hilfe brauchte. Ich musste akzeptieren von der Sportskanone zum quasi Pflegefall geworden zu sein. Mein Sohn konnte mit seinen 3 Jahren schon erfassen, dass Mama Schmerzen hat, aber meine Tochter verstand überhaupt nicht, warum ich sie plötzlich nicht mehr tragen konnte. Anfangs schlief ich auch sehr schlecht, weil ich mich kaum drehen konnte und dadurch Rückenschmerzen bekam. Auch das Bauchmieder juckte und war einfach unbequem. Diese Dinge machten mir schon zu schaffen, aber ich bereute nie die Operation gemacht zu haben. Es hat nicht lange gedauert bis mir auffiel, dass dieses unangenehme Blubbern im Bauch weg war, außerdem habe ich mich zum Glück auch schnell regeneriert. Nach 14 Tagen begann ich mit Spaziergängen und konnte auch immer mehr mit meinen Kindern spielen. 6 Wochen nach der Operation durfte ich wieder mit Sport beginnen und seitdem gehe ich 3 mal wöchentlich Wandern.

Mein Arzt hatte mir auch geraten meine Bauchmuskeln durch leichtes Training bei der Heilung zu unterstützen, da ich mich aber zu Situps und Co. einfach nicht überwinden konnte, habe ich 9 Wochen nach der Operation wieder mit dem Hula-Hoop-Training begonnen und ich merke wie gut es meinem Bauch tut.

Wo siehst du dich in einem Jahr?

In einem Jahr soll mein Leben genauso aussehen wie jetzt, nur dass wir alle ein Jahr älter sind, ich nach der Karenz wieder im Job angekommen bin und meine Narben langsam verblasst sein werden. Ich blicke ganz positiv in die Zukunft – etwas das vor nur 14 Monaten noch undenkbar für mich war.