Körpergefühl

Judith’s Geschichte

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Wer bist du und was ist deine Geschichte?

Ich heiße Judith, bin 29 Jahre und komme aus Gelsenkirchen. Mittlerweile stehe ich kurz vor dem Ende meines Studiums der Sozialpädagogik und öffne mir damit die Eintrittspforte in meinen Traumberuf. Ich möchte in der psychosozialen Beratung tätig werden und das mit meinen persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen der letzten fünf Jahre verbinden.

Denn in den letzten fünf Jahren habe ich mein Leben komplett umgekrempelt. 2016 habe ich von einen auf den anderen Tag beschlossen, meinen 138 Kilos den Kampf anzusagen.

Ich war schon in meiner Jugend mal mehr, mal weniger das „dicke Kind“.

Es hat mich zu der Zeit weniger gestört, aber als alle ihren ersten Freund hatten, im Bikini in den Urlaub konnten und die tollsten Anziehsachen tragen konnten, wurde mir bewusst, dass ich mich in meiner Haut nicht wohl fühle.

Mit Anfang 20 hatte ich dann das zuvor genannte Höchstgewicht erreicht.

Der Abbruch meiner Berufsausbildung war schlussendlich der Auslöser, dass mir alles egal wurde.

Hoher Blutdruck, Panikattacken und Depressionen begleiteten mich schon während der Ausbildung und verschlimmerten sich immer mehr.

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Ich fühlte mich am Ende meiner Kräfte und habe dem Gewicht für alles Negative in meinem Leben die Schuld gegeben, deswegen war es für mich einleuchtend, dieses verändern zu müssen, um mein „altes“, glückliches Ich zurück zu bekommen. Ich habe mich tagelang belesen, wie ich meine Abnehmreise starten soll.

Verschiedenste Diäten haben mir bis Oktober 2019 geholfen, über 60 Kilo meines Gewichts zu verlieren. Die Zeit hat mir unglaublich viel Wissen über meinen Körper und die Ernährung gebracht, mit dem ich heute einen Lebensstil ohne Verzicht führe und mein Gewicht seit 2019 von 76 Kilo halte. Auch, wenn ich den Ballast an meinem Körper und größten Teils auch in meinem Kopf los geworden bin, sind die restlichen 76 übersäht von hängender Haut. Haut die mich immer dick und unfraulich aussehen lässt.

Ein hängender Bauch, „leere“ Brüste und schwabbelnde Oberarme.

Entzündete Hautfalten, Pilzinfektion und ein verzerrtes Selbstbild begleiten mich seitdem täglich. Deswegen habe ich im Januar 2021 meine Krankenkasse in das Problem involviert und um Hilfe gebeten. Sie erklärten mir den bürokratischen Weg zur Bauchdeckenstraffung, die im März 2021 stattfindet.

Was hat Dich motiviert durchzuhalten?

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Durch den Gewichtsverlust habe ich die Dinge tun können, nach denen ich mich vorher gesehnt habe.

Shoppen, Badesachen tragen und auch das Interesse des anderen Geschlechts wurde immer intensiver.

Ich habe stetig gemerkt, wie sich mein Selbstbewusstsein und Wohlfühlfaktor gesteigert hat. Dazu kam das enorme Interesse an Ernährung und ihrer Vielfalt.

Immer mehr Menschen in meinem Umfeld haben mich um Tipps gebeten, mit Erfolg. Das waren meine Motivatoren. Die Abnahme verlief relativ einfach, wenn man weiß, was man tut, deswegen war ich selten demotiviert.

Wann hast du dich mit dem Thema Schönheitsoperationen auseinandergesetzt? 

Während meiner Abnahme habe ich stets gedacht, durch Sport würde ich meine überschüssige Haut verlieren. Ich wusste, dass es nach der Abnahme die Option einer Hautstraffung gibt, war aber davon überzeugt, es alleine zu schaffen. Das die Haut soweit gedehnt wurde, dass sie niemals mehr in ihre Ausgangsform zurückkehrt, habe ich erst verstanden, seitdem das Gewicht stagniert. Auch, wenn ich alles versucht habe, werde ich das durch Sport und Ernährung nicht mehr hinbekommen. Seit Anfang 2020 war ich überzeugt davon, dass ich mich operieren lassen möchte und zumindest fürs Erste meinen Bauch operieren lassen werde. Die Haut erinnert mich jeden Tag daran, wer ich war und nie wieder sein möchte. Sie schmerzt, ich muss ständig schauen, dass ich sie kaschiere und sie schränkt mich in fast allen Bewegungen ein. Ich habe versucht mich über das Thema der Hautstraffung nach Gewichtsabnahme schlau zu machen, was sich gar nicht als so einfach herausstellte. Nur wenige haben ihre Erfahrungen, mit Bildern und Meinungen preisgegeben. Also habe ich mich dazu entschieden, es selbst zu versuchen – ohne zu wissen, was auf mich zu kommt.

Wie schwierig oder einfach war der Weg, bis du das Schreiben der Versicherung vorliegen hattest, dass sie die Kosten für den Eingriff übernehmen werden?

Mittlerweile bin ich in einigen Foren aktiv, wo Menschen ihre Hautüberschüsse zeigen und nur vereinzelt eine Kostenübernahme von der Krankenkasse erhalten. Mir wurde immer gesagt, die Chance einer Kostenübernahme ist so gering, das wäre eine Seltenheit, diese bewilligt zu bekommen. Ich habe lediglich einen persönlichen Antrag mit der Geschichte meiner Abnehmreise verfasst und diesen, mit Fotos und dem Gutachten eines Plastischen Chirurgen, der die Notwendigkeit des Eingriffs darstellt, am 15. Januar 2021 eingereicht. Drei Wochen später hatte ich die Kostenzusage für den Eingriff. Begründet dadurch, dass die genannten Einschränkungen, die ich beschrieben habe, die Infektionen und das Selbstbild so belastend sind, dass man diese Hautschürze am Bauch entfernt. Eventuell und je nachdem, wie das Ergebnis nach der Bauchdeckenstraffung ist, würde ich noch meine Brüste straffen lassen und dafür eine Kostenübernahme beantragen.

Wie geht es dir seitdem du den Termin der Operation fix im Terminkalender stehen hast, was macht es psychisch mit dir?

Auch, wenn ich sonst ein sehr gefestigter Mensch bin, steht meine Gefühlswelt seit der Zusage der Krankenkasse im Februar Kopf. Unglaubliche Angst überwiegt im Moment. Angst vor dem Eingriff, der Narkose, den Schmerzen, den Bewegungseinschränkungen und auch dem neuen Körperbild. Werde ich das überhaupt annehmen? Aber auch enorme Freude, endlich keine entzündete Haut zu haben, die mich an früher erinnert und vor allem, endlich shoppen und anziehen, was ich möchte. Ich bin nervös, schlafe mal mehr, mal weniger gut und versuche momentan zu verdrängen, dass es nur noch wenige Tage sind.

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Wo siehst du dich in einem Jahr?

Ich bin an mir und meiner größten Angst, dem Eingriff, gewachsen und bin körperlich da angekommen, worauf ich jahrelang hingearbeitet habe. Sofern die Corona Pandemie es zulässt, habe ich meinen neuen Bauch im Bikini am Strand präsentiert und einen Kleiderschrank voll mit Klamotten in Größe 38/40. Mein Studium ist beendet und ich würde tatsächlich in Erwägung ziehen, über eine Schwangerschaft nachzudenken.

Was würdest du Frauen positives mitgeben wollen, um ein besseres Körpergefühl zu bekommen, wenn du jetzt auf einem Podium stehen würdest?

Es ist unser Körper und seien wir ehrlich zu uns selbst, ob wir diesen so akzeptieren und lieben können, wie er ist. Auch ich habe mir mit 60 Kilo mehr, oft eingeredet ich fühle mich wohl, das war reiner Selbstschutz. Man kann soviel verändern aus eigener Kraft, ihr glaubt gar nicht, wie stark wir sein können. Dennoch haben wir nur dieses eine Leben, welches nicht nur aus „stark“ sein bestehen soll. Versuchen wir nicht einem Ideal nachzuahmen, nur weil irgendjemand irgendwann mal gesagt hat, „dass ist der Inbegriff von Schönheit“. Schönheit besitzt jeder, unabhängig davon, wie unser Körper aussieht, denn dieser ist nur eine Hülle und er erzählt die Geschichte deines Lebens – unseres einzigartigen Weges. Lass uns stolz auf unsere Reise sein und lasst uns ein paar Kilos zu viel haben, lasst uns unsere Narben zeigen, lasst uns nicht mehr verstecken, denn wir sind wie alle, mit dem Unterschied, wir trauen uns es zu zeigen – und wenn du etwas für dich tun und an dir verändern möchtest, dann nur, weil DU es für DICH möchtest.