Mama ist ein Gefühl

Ich habe keinem unserer Kinder das Leben geschenkt. Ich bin keine Frau. Ich bin keine Mutter. Und doch bin ich eine Mama. Denn unsere Kinder haben entschieden, dass ich für sie eine Mama bin. Weil ich jeden Tag da bin, auf sie acht gebe, sie tröste, mich mit ihnen streite, laut werde und mich entschuldige, sie ins Bett bringe und sie liebe. Aus tiefstem Herzen.

All das macht mein Mann auch. Doch bin ich es, den sie Mama nennen. Weil es eben ein Gefühl von Kindern zu einem Erwachsenen ist, mit dem sie Geborgenheit, Zuhause und Liebe verbinden. Und dieses Gefühl ist nicht an ein Geschlecht gebunden, aber an bestimmte Eigenschaften. Um zu verstehen, dass es nicht um Rollenbilder geht, ist es wichtig zu schauen, wo dieses Wort herkommt.

Über Generationen war Mama das Wort für die leibliche Mutter eines Kindes. Das hat nichts mit der Emanzipation der Frau zu tun. Das Wort war da und wird mit Frauen verknüpft. Doch längst ist nicht mehr nur die leibliche Mutter auch die Mama. Es gibt Patchworkfamilien, Adoptiv- und Pflegefamilien und es gibt Regenbogenfamilien.

Mütterliche Liebe steckt in allen Menschen. Wer diese entscheidet weiterzugeben, wird auch als Mama von den Kindern empfunden werden. Wir haben unseren Kindern nie eine Vorgabe gegeben, wie sie uns nennen sollen. Doch haben sie mich Mama genannt. Für mich war von Anfang an klar, dass ich unseren Kindern wie eine Mutter sein möchte.

Doch wie weit dieser Wunsch reichen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich glaube, sie haben auf dem Spielplatz, in der Kita und auch in Büchern gesehen, wer Mama für ein Kind ist. Und Kinder fühlen in erster Linie. Sie denken nicht über Konsequenzen oder Wirkungen dieser Gefühle nach.

So spürten sie vor allem das Gefühl, das hinter dem Wort Mama steckt und verbanden es sofort mit mir. Es gibt heterosexuelle Familien, in denen der Mann zu Hause bleibt. Dort kommt es tatsächlich häufig vor, dass dieser Mapa genannt wird. Da in Familien mit heterosexuellen Eltern sich wahrscheinlich nie Gedanken über die Anwendung von Mama und Papa gemacht wurde, waren der Mann Papa und die Frau Mama. Doch auch hier findet das Phänomen statt, dass Kinder für ihre Gefühle automatisch die richtigen Worte finden.

Einzig die gesellschaftlich festgelegte Bedeutung lässt sie aus dieser Gewohnheit den Mischbegriff Mapa verwenden. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass in einer Familie mit mehreren Kindern, ein Kind in der Frau die Mama und ein anderes im Mann die Mama sieht. Einfach weil jeder Mensch anders ist und wir alle unterschiedliche Beziehungen zueinander aufbauen.

Mit unterschiedlichen Gefühlen. Und genau darin liegt der Zauber: jeder Mensch kann für einen anderen Menschen eine Mama sein. Weil Mama ein Gefühl ist.

Autor

Ich heiße Kevin Silvergieter, bin Schauspieler und seit wir unseren Pflegesohn vor fünf Jahren bei uns aufgenommen haben, Blogger. Gemeinsam mit meinem Mann und meinen beiden Pflegekindern leben wir in einer Kleinstadt, mit unseren Hühnern, Hasen und einem großen Garten für unser eigenes Gemüse.

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