Moderner Papa sein – kein Problem, oder?

Moderne Väter legen einen großen Wert auf Familie und Zeit mit ihren Kindern, auf Gleichberechtigung in der Partnerschaft und den Erziehungsaufgaben.
(vgl. BMFSFJ 2021: 8ff.)

Moderne Väter legen einen großen Wert auf Familie und Zeit mit ihren Kindern, auf Gleichberechtigung in der Partnerschaft und den Erziehungsaufgaben.
(vgl. BMFSFJ 2021: 8ff.)

Das ist ein erfreulicher Wandel, der mit einem veränderten Bild von Männlichkeit in unserer Gesellschaft einhergeht. Auch ich zähle mich zu der Gruppe der modernen Väter. Ich verbringe gerne und viel Zeit mit meinen Kindern, führe eine gleichberechtigte Ehe und bin happy in meinem Beruf. Alles bestens also, oder?

Nicht so ganz. Denn ich stoße immer wieder im Alltag auf Situationen, wo ich mit traditionellen Gedankenmustern von Männlichkeit und gegensätzlichen Unsicherheiten konfrontiert bin – nicht nur von anderen ausgehend, sondern vor allem von mir selbst.

Ich habe manchmal das Gefühl, zu modern für ein traditionelles Männerbild zu sein, gleichzeitig jedoch nicht woke genug, um den perfekten, modernen Papa zu repräsentieren. Kein gutes Gefühl. Obwohl es unangenehm ist, schreibe ich nun genau über diese Empfindung – und zwar weil ich glaube, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Zu merken, dass man nicht alleine ist, kann unglaublich befreiend sein.

GEDANKEN

Als ich über Männlichkeitskonstrukte nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass ich zwar grundlegende Kenntnisse habe, aber nicht präzisieren kann, wie sich das gesellschaftliche Bild des Mannes/Vaters gewandelt hat und welche Mechanismen dem zugrunde liegen. Ist für das Verständnis meiner eigenen Gedanken aber durchaus sinnvoll, weswegen ich mich ein wenig in den wissenschaftlichen Diskurs eingelesen habe:

Die „hegemoniale Männlichkeitskonstruktion“ (vgl. Meuser/Scholz 2012: 28) ist durch die Industrialisierung entstanden. (Hegemonie beschreibt eine eingenommene Führungsrolle in einem bestimmten gesellschaftlichen Feld.) Für den Mann wird in dieser Zeit eine besondere Ausrichtung auf die Arbeit nötig, da diese von nun an außerhalb des Familienraums stattfindet – davor produzierten Männer oft zusammen mit ihrer Familie von Zuhause aus Güter. Das Verdienen des Geldes und die damit einhergehende Existenzsicherung müssen durch die Industrialisierung auf neuem Wege erfolgen, so entsteht das Bild des Mannes als Ernährer, Hauptverdiener und damit führende Kraft (vgl. ebd.: 34).

Die männliche Identität wird ab diesem Zeitpunkt hauptsächlich im Arbeitskontext gelebt, nicht im familiären Umfeld. Nachvollziehbar, dass sich dementsprechend Charaktereigenschaften als geschlechtstypisch männlich durchsetzten, die bei der Arbeit hilfreich waren. Dazu gehören zum Beispiel Leistungswille, Durchsetzungsvermögen, Stärke und Dominanz (vgl. Six-Materna 2020).

Seitdem haben sich die Geschlechterrollen und Lebensumstände natürlich deutlich gewandelt. Aber wie es bei der Gattung Mensch so üblich ist, dauern tiefgreifende Veränderungen relativ lange und so sind die Auswirkungen vergangener Jahre noch immer spürbar.

Viele Väter schwanken deshalb heutzutage noch „zwischen traditionellen Rollenbildern und Vatersehnsucht“ (Reinwand 2012: 427). Gleichzeitig existieren weiterhin Vorurteile wie der „Zweifel an der Fürsorgekompetenz von Vätern“ (Meuser/Scholz 2012: 36).

Die Ambivalenz von alten und neuen Werten, Gedanken darüber, was ich empfinden sollte und was nicht und wie ich mich am besten verhalte, damit ich alle Lebensbereiche unter einen Hut bekomme, beschäftigen mich also ebenso wie viele andere Papas.

ERKENNTNISSE

Um diesem innerlichen, wackligen Spagat zwischen persönlicher, beruflicher und väterlicher Identität mehr Stabilität zu gewähren, habe ich ein Umdenken in mir angeregt. Die folgenden persönlichen Erkenntnisse haben dabei geholfen, mich als modernen und guten Papa zu sehen, auch wenn ich dabei nicht einem Idealbild entspreche.

Erkenntnis Nr. 1:

Es gibt gar keinen perfekten, modernen Vater. Es ist zwar löblich, in allen Lebensbereichen 100% geben zu wollen, aber leider nicht dauerhaft realistisch umsetzbar. Du musst dich genauso wenig einem Lebensbereich (z.B. dem Papa sein) ganz und gar hingeben, um dort deine Rolle gut genug zu meistern.

Erkenntnis Nr. 2:

Gefühle zulassen. Es ist nicht schlimm, manchmal mit sich selbst oder einer Situation zu hadern oder auch mal Gedanken & Gefühle zu bemerken, die weniger fortschrittlich erscheinen. Das sagt weder etwas über dich als Mann/Vater/Person noch über deine Fähigkeiten aus.

Erkenntnis Nr. 3:

Reden, Reden, Reden.
Kommunikation macht alles deutlich besser und einfacher. Vielleicht hast du es von deinen Eltern nicht wirklich beigebracht bekommen – du kannst es aber trotzdem noch lernen, reine Übungssache! Rede auch über unangenehme Themen wie Überforderung, Ängste und persönliche Schwierigkeiten – sowohl in Partner- als auch in Freundschaften.

Erkenntnis Nr. 4:

Du darfst stolz auf deine berufliche Karriere UND gleichzeitig auf dein Familienleben sein. Nur weil dein Job immer noch einen wichtigen Stellenwert in deinem Leben einnimmt, bist du noch lang kein Rabenvater. Es kann erfüllend sein zu arbeiten. Das heißt NICHT, dass unsere Kinder deswegen automatisch weniger wichtig für uns sind.

Erkenntnis Nr. 5:

Ein moderner, guter Vater muss sich nicht genauso wie die Mutter verhalten. Es ist vollkommen in Ordnung, Unterschiede zu haben und zu leben. Das macht die eine Seite nicht besser oder schlechter als die andere, solange beide sich Mühe geben und ergänzen.

Erkenntnis Nr. 6:

Es ist okay, auch als moderner Vater gerne „klassische Männerdinge“ zu tun. Es heißt nicht, dass du weniger fortschrittlich bist, weil es auf die Wertung dieser Dinge ankommt. Ich treffe mich z.B. gerne mal mit Kumpels einfach nur zum Rumblödeln, bin bei der Arbeit durchaus wettbewerbsorientiert und setze mich durch, wenn es nötig ist. Das sind einfach Dinge, die ich als Person Max mache, ohne dabei speziell meine Männlichkeit demonstrieren zu wollen. Traditionell männliche Attribute können als Attribute in Ordnung sein – solange du mit deinem Verhalten niemanden diskriminierst oder schädigst.

ERKENNTNISSE

Um diesem innerlichen, wackligen Spagat zwischen persönlicher, beruflicher und väterlicher Identität mehr Stabilität zu gewähren, habe ich ein Umdenken in mir angeregt. Die folgenden persönlichen Erkenntnisse haben dabei geholfen, mich als modernen und guten Papa zu sehen, auch wenn ich dabei nicht einem Idealbild entspreche.

Persönliches Fazit

Wenn du dir Mühe gibst, dich immer wieder mal reflektierst und mit anderen im Austausch bleibst, musst du dir keine Sorgen machen, dass du kein guter, moderner Papa bist!
Vater sein ist eben ein lebenslanger Lernprozess.

Autor

The Parents Next Door Eltern Blogazine Papa Väter Max Karänke

Ich bin Max Karänke, Papa von zwei Kindern und beruflich im Bereich Immobilien tätig. Außerdem schreibe ich auf meinem Blog – sowohl professionell rund um das Thema Immobilien als auch etwas persönlicher über Thematiken, die mir im Alltag begegnen und mich beschäftigen.