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Alexia von Wismar
THE PARENTS NEXT DOOR

“Früher war alles besser!”, höre ich sehr oft. Ich weiß nur, “früher war alles anders“!

Ich bin 1945 geboren, meine Mutter war 21 Jahre alt als sie mich zur Welt brachte. Einen Mann an ihrer Seite gab es nicht, also musste Mama arbeiten gehen. Es gab nur keine Arbeit im näheren Umkreis, so musste sie auswärts arbeiten. Sie war bei einem Bauern angestellt, im Haushalt. Ich blieb bei meinen Großeltern. Meine Mutter kam einmal im Monat und besuchte uns. Es war damals einfach nicht anders möglich.

Ich wurde nie geschlagen. Nicht von meinen Großeltern und auch nicht von meiner Mutter. Für diese Zeit eher unüblich, war körperliche Züchtigung doch damals ein legitimes Erziehungsmittel. Kinder hatten zu gehorchen.

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Meine Oma

war die liebste aller Großmütter. Wir standen uns sehr nahe. Sie hatte kein schönes Leben. Nur Arbeit und Entbehrungen. Brachte Opa doch das verdiente Geld immer in den nächsten Krug, so hieß das Wirtshaus. Die Generation nach dem zweiten Weltkrieg hatte es nicht einfach, sie waren alle durchweg traumatisiert von dem erlebten.

So mußte Oma aus allem das Beste machen. Zum Beispiel ein Kleidchen für mich nähen. Mit wenig Stoff, von Hand genäht. Sogar ein weißes Krägelchen war noch möglich. Was mir sicher nicht gefiel waren die kratzigen selbstgestrickten Wollunterhöschen. Mir wurde erzählt, dass ich die ständig und überall ausgezogen habe und sie dort dann auch einfach hab liegen lassen.

Andere Zeiten

Meine Großeltern hatten ein kleines Gehöft. Ackerland, zwei Schweine, einige Hühner, Gänse und Enten gehörten auch dazu. Oma hat mich auch überall mit hinnehmen müssen. Einen Kinderwagen, gab es nicht. Ging sie aufs Feld, wurde ich in die Furche gesetzt und spielte mit Steinen, Kartoffeln oder Rüben.

Meine Tante (16) und mein Onkel (12) mußten öfter auf mich aufpassen. Die hatten aber nicht immer Lust dazu, setzten mich irgendwo ab und vergnügten sich anderweitig. So kam es schon mal vor, dass ich mir einen anständigen Sonnenbrand holte und ein anderes mal mit Ameisen übersät war. Da gab es dann natürlich Ärger von Opa, war ich doch für ihn, wie für Oma ihr kleines Püppelie.

Wenn Opa von der Arbeit kam brachte er seine nicht aufgegessenen Brote mit. Brot warf man zur damaligen Zeit niemals weg. Hasenbrot, so nannte man es. Wir Kinder freuten uns natürlich darüber. Ich wurde immer zuerst gefragt.

“Dass Kind muß ja noch wachsen”, hieß es dann.