Nanne, erzähl doch mal ..!

“Früher war alles besser!”, höre ich sehr oft.

Ich weiß nur, “früher war alles anders.”

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Alexia von Wismar
THE PARENTS NEXT DOOR

Ich war Drei Jahre alt meine Mutter heiratete und wir zogen von Schleswig Holstein nach Dortmund. Wohnungen waren knapp, wir bekamen eine: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und kein Bad. Neun Familien lebten in jenem Haus, eine Toilette, immerhin. Bei Oma und Opa war es lediglich ein Plumpsklo.

Samstags war Badetag, da wurde dann eine Zinkwanne in die Küche gestellt, Wasser auf dem Kohleofen heiß gemacht und wir Kinder wurden abgeschrubbt. Für uns, meinen Bruder und mich war es etwas ganz besonderes, denn danach gab es immer Kakao. Zur damaligen Zeit sehr teuer. Da wir keine Heizung hatten hängte meine Mutter die Bettdecke immer über den Ofen und deckte uns dann damit zu. Kuschelig warm ist es in meiner Erinnerung.

An der frischen Luft

Die Tage verbrachten wir fast immer im freien. Wir gingen einfach vor die Tür. Irgendjemand war immer draußen.

Damals hatten wir auch noch richtige Winter, kalt und weiß waren sie. Der Teich war zu dieser Jahreszeit immer zugefroren. So machte es uns großen Spaß Schlittschuh zu laufen. Im Sommer saßen wir dort am Teich dann auf der Decke, tauschten Glanzbilder und Murmeln. Die Gläsernen waren die wertvollsten unter den Murmeln und die kleinen aus Ton nahmen wir zum Kicken.

Der falsche Zug 

Als ich 10 Jahre alt war durfte ich zum ersten Mal, alleine meine Oma besuchen. In Schleswig Holstein. In den Urlaub fuhren wir nie, weil kein Geld da war. 

Meine Cousine nahm mich mit. Ich erinnere mich nicht mehr so genau, aber wir mußten beide einmal, am selben Bahnhof umsteigen, dort trennten sich dann unsere Wege. Und so kam es dann, dass sie mich versehentlich in den falschen Zug setzte. Schön war das nicht, denn ich war bis Mitternacht alleine unterwegs.

Schlussendlich war ein Bahnhof Mitarbeiter so lieb und brachte mich mit dem Fahrrad in den Ort meiner Großeltern. Drei Häuser standen da, mit dem schönen Namen “Rosensande”. Oh weh, meine Großeltern sind nicht da. Das Geheule ging also von vorne los. Dachte ich doch in meinem kindlichen Kopf, ich sehe meine Großeltern wohl nie. Oma und Opa dachten hingegen, ich käme nicht mehr und waren anderweitig unterwegs.

Ja, so war das damals, ohne Handy. Natürlich kamen Beide doch noch und wir verbrachten eine schöne Zeit zusammen. Nur weigerte ich mich, den Rückweg wieder alleine anzutreten. So fuhr Oma mit mir zurück zu meinen Eltern. Das tolle daran war, dass Oma noch ein paar Tage länger blieb. Ein Jahr später zogen Oma und Opa aus dem Norden sogar nach Dortmund. Da war ich dann regelmäßig zum Übernachten und in den Ferien.

Oma und ich warteten am späten Abend oft gemeinsam auf Opa, wenn er noch im Wirtshaus war. Wir standen meist am geöffneten Fenster und hielten Ausschau nach ihm. Wenn wir ihn dann endlich sahen freuten wir uns, denn es ging ihm gut. So konnten wir beruhigt zu Bett gehen.

Ich schlief mit meiner liebsten Oma im Ehe-Bett. Und Opa, der musste mit dem Sofa vorlieb nehmen.

„Meine Oma war für mich mein Fels in der Brandung, mein ein und alles.“