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Tabuthema: Nicht gerne schwanger!

Meine Schwangerschaft kam unverhofft und gerne schwanger, war ich ehrlich gesagt nicht.

Warum bin ich denn nicht gerne schwanger, so wie alle anderen? Habe ich überhaupt das Recht nicht gerne schwanger zu sein, wenn so viele andere Frauen seit Jahren versuchen es zu werden? Warum bin ich nicht dankbar? „Die einzige Frau auf diesem Planeten die nicht gerne schwanger ist, sind Sie auch nicht Frau von Wismar.“ Das antwortete mir meine Frauenärztin. Dennoch finde ich es schade, fünf Jahre nach der Geburt meines Kindes nicht gerne schwanger gewesen zu sein.

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Bildrechte: Adobe Stock / Von Gajus

Warum war ich nicht gerne schwanger? Ich glaube, ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ICH Mutter werde. Ein Kind wuchs in mir heran. Ich musste mich mit jeder SSW mehr von meinem alten Leben verabschieden. Ich erinnere mich sehr oft, Angst in den neun Monaten der Schwangerschaft gehabt zu haben. Ich habe mich unverstanden und oft einsam gefühlt. Umso wichtiger finde ich, dass wir offen über dieses „Tabuthema“ sprechen, lesen und hören. Woran ich mich auch noch erinnere, dass ich offen und ehrlich gesagt habe, nicht gerne schwanger zu sein und im gleichen Atemzug meinen Bauch dabei streichelte und zum „Bebie“ im Bauch sagte: „Tut mir leid, nichts gegen Dich.“ Die Aussage an sich „nicht gerne schwanger“ zu sein, hat mir auch nie jemand krummgenommen. An manchen Tagen habe ich mich wirklich nicht wiedererkannt, in meiner Handlungs- und Denkweise.

Es folgen einige seltsame Schwangerschaftsfakten über mich:

Es folgen einige seltsame Schwangerschaftsfakten über mich:

Komische Verhaltensweisen

Ich habe das Handy in den ersten drei Monaten meiner Schwangerschaft ausgeschaltet, weil ich maßlos überfordert war mit meinem Leben und da brauchte ich keine Nachrichten, die ständig irgendwo aufpoppten. Somit wurden alle aktiven Socialmedia Accounts lahm gelegt. Ein Netflix Abo abgeschlossen und vor allem an Wochenenden von morgens bis tief in die Nacht Serien und Filme geschaut. Das ist mein absoluter Ernst. Ich habe mich für eine lange Weile von allem und jedem abgeschottet und bis zum Ende meiner Schwangerschaft Stresssituationen gemieden und mich absichtlich in eine Welt der Romantic Comédies, Sitcoms, Dokumentationen über die Welt, das Leben, Essen und so weiter gebeamt. Heile Welt um mich herum, dass wollte ich. Nicht mehr und nicht weniger.

Bitte keine Fotos von mir machen. „Warum? Danke!“ Tatsächlich gibt es nur eine Handvoll Bauchbilder von mir.

Ich wurde zur Blondine und Auto fahren wollte ich ab dem 4. Monat auch nicht mehr.

Schwangerschaftsgelüste

Deutsche Hausmannskost stand ganz oben auf meiner unbewussten Ernährungsliste. Aus mir wurde ein Malzbierjunkie und selbst gemachte Brownies nach einem Rezept von Cynthia Barcomis standen ziemlich häufig irgendwo in der Küche rum. Ich habe es wirklich versucht, mich gut zu ernähren. Ging einfach nicht, wirklich nicht. Und ich bin normalerweise wirklich sehr diszipliniert, was das Thema Essen angeht. Um ehrlich zu sein, irgendwann war der Punkt einfach erreicht, als ich eh schon wie ein Hefekuchen aufgegangen war und folgende Einstellung die logische Konsequenz dazu war: „Ach Scheiß drauf. Du bist schwanger, also nimm, wonach dein Körper gerade verlangt. Nur noch diese eine Tafel Schoki… und dann nur noch…“

Ich nahm immer mehr an Gewicht zu. Am Ende meiner Schwangerschaft sollten 99 Kg auf der Waage bei meiner Frauenärztin stehen. Fast 40 Kilo hatte ich in neun Monaten mehr auf den Rippen. Mon dieu. Es machte sich auch in allen Lebenslagen bemerkbar. Treppen steigen, laufen an sich, Schuhe zu binden, duschen, aus der Liegepostion wieder zurück in die Sitzposition, bücken um in die Schuhe reinzukommen. Alles ein Wahnsinns-Akt. Nach guten eineinhalb Jahren war alles wieder weg. Ich habe keine Diät gemacht, sondern einfach auf mich und meinen Körper gehört und fast ein Jahr gestillt.  Tag für Tag ging es wieder in die vorschwangerschaftliche Haut Couture.

Das Körpergefühl

Von wegen Haut Couture: während der Dickbauch-alles-dick-Zeit trug ich diese eine ganz bestimmte schwarze Leggins, die es nur bei C&A gab und hatte jene dann hundertfach in Größe S, weil das ja klar ist. Eigentlich wollte ich doch auch eine hübsche Berliner-Hipster und wahnsinnig gut gekleidete Schwangere sein, der man von hinten nicht ansieht, dass sie vorne überhaupt eine Kugel mit sich rumträgt. Bei mir war eher von vorne, wie von hinten angesagt. Sexy habe ich mich wirklich nicht gefühlt. Ich war einfach ein Mutter-Tier. Danke nochmal an meine Familie und Freunde, dass ihr mir trotzdem immer wieder gesagt habt, wie schön ich aussehe.

Die Oberschenkel rieben aneinander. Mit Beginn des vierten Monats begann es bei mir und somit veränderte sich auch meine Gangart in den Obelix-Watschel-Schunkel-Gang. Ein wahnsinnig unangenehmes Gefühl, diese ständige Reibung, so dass ich wirklich konstant eine Leggins trug. Die waren natürlich nach ein paar Wochen immer aufgescheuert, deshalb hatte ich davon Hunderte gekauft.

„Darf ich mal…“ und schon hatte ich fremde Hände am Bauch. Sogar meine Brüste wurden von einer Frau einfach mal angefasst, ohne mich vorher zu fragen und ich hätte sicherlich NEIN gesagt. Du stehst da mit deiner Schwangerschaftsdemenz und kannst gar nicht so schnell reagieren, wie die fremden Patscher an dir kleben. Wie kann es sein, dass schwangere Frauen sofort und meist ungefragt an den Bauch gefasst werden?

Die Gefühlsebene

Stimmungsschwankungen hatte ich nur mäßig. Bei mir waren es eher Ängste und Sorgen, die immer wieder aufkamen. Schaffe ich das alleine? Wird das Kind gesund sein und ich eine gute Mutter werden? Warum muss ich so viel Papierkram ausfüllen? „Mein Name ist Dori. Äh, Tchibo. Äh? Verdammt.“ Das waren meine Problemchen.

Schwangerschaftsdemenz und starres in die Luft schauen, vor mich hin träumen war ganz großes Kino und eine Konstante. Mit der Stillzeit wurde das natürlich nicht besser und ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es noch schlimmer werden würde. Ich konnte mir nichts mehr, aber auch gar nichts mehr merken, war unsicher und wollte keine Entscheidungen treffen, weil es mir so wahnsinnig anstrengend war. Durch und durch verpeilt. Und als Singlemom kann ich euch sagen, muss man echt einiges in diesem verwirrten Zustand rocken.

Die ersten zwölf Schwangerschaftswochen waren die Hölle, gut. Aber danach war alles nur noch easy peasy, eine Bilderbuchschwangerschaft mit ganz viel Gewicht.

Das Vertrauen

Der Crash-Kurs Geburtsvorbereitung, war richtig toll. Ich hatte keine Lust auf einen klassischen Hechelkurs und meine Hebamme meinte: „Wir machen an einem Wochenende im Monat an zwei Tagen eine Veranstaltung, dass kann ich dir auf jeden Fall empfehlen.“ Und es war echt toll. Es wurden Fragen gestellt, von Eltern die das zweite oder dritte Kind erwarteten, Dinge auf die ich als Anfängerin ja nie gekommen wäre. PDA, Vitamin K, Tragesysteme oder Tragetuch, Geburts-Horror- Geschichten, Stillen pro und contra und so weiter. Mein Din-A4 Blatt, das ich mitgebracht hatte, war voll gekritzelt. Etwas schönes hatte dieser Wochenend-Geburtsvorbereitungs-Crash-Kurs noch, ich habe einen ganz lieben und tollen kreativen Menschen dort kennengelernt Christina Feldt

Nichts habe ich für die Geburt geplant. Alles habe ich intuitiv aus der Situation entschieden und mich da auch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Selbst als ich mich im Krankenhaus zur Geburt anmeldete, war meine Aussage zur Hebamme: „Et kütt, wie et kütt. Ich lass mich einfach fallen und Sie sagen mir, was ich zu tun habe, okay?“ Die beste Entscheidung ever, im nachhinein. Ich würde es für mich auch immer wieder so machen. In den ersten Monaten dachte ich, jemanden während der Geburt bei mir zu brauchen. Am Ende war ich unendlich glücklich über meine Entscheidung, die komplette Geburt alleine gerockt zu haben. Mehr zum Thema Geburt in einem meiner nächsten Artikel.

Am Ende des Tages,

habe ich als Frau alles mit meinem Körper erreicht, wofür unsere Spezies steht. Ein großartiges Gefühl, welches ich jeder Frau von Herzen wünsche. Nicht gerne schwanger gewesen zu sein, hat die unendliche Liebe zu meinem Kind in keinsterweise beeinflusst.

Autorin

Alexia von Wismar Mama Blog Eltern Magazin Familie Blog-Magazin - THE PARENTS NEXT DOOR

Ich bin Schauspielerin und audio-visuelle Medienkauffrau, Mutter und Unternehmerin. Ich bin aber auch Frau und Mensch. In der Grundschule habe ich durch das Schreiben von Aufsätzen meine Leidenschaft zum Schreiben entdeckt, obwohl ich mit der deutschen Rechtschreibung seit der 1. Klasse hadere.

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