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TikTok – Datenschutzeinstellung 

800 Millionen monatlich aktive Nutzer und insgesamt anderthalb Milliarden Downloads in den letzten drei Jahren können nicht täuschen? Ja, TikTok ist durchaus cool. Kurze, unterhaltsame Videos zwischen 15 und 60 Sekunden – man nennt das auch „snackable“. Eine laute Welt voller Performer und Sänger plus kreativen Ideen.

Tiktok Gefahren Kinder

Es gibt kaum eine App, die derzeit unter Kids & Teens so gehypt wird wie TikTok. Und ehrlich: Ich verstehe die Kids. Es gibt wirklich superlustige, superkreative Clips zu entdecken.

Aber das ist leider, leider nicht alles. Denn bei TikTok lauern auch Gefahren.

Und von denen will ich euch ein bisschen berichten, weil viele Eltern einfach gar nicht wissen, was da wirklich abgeht.

TikTok: It’s magic

Bevor ihr weiterlest, ein Tipp an dieser Stelle: Schaut euch die App selbst an. Einfach mal reingehen und verstehen, was ich meine, wenn ich sage: TikTok hat eine gewisse Magie. Zumindest ziehen die kurzen Clips Kids und Teens magisch an. Je mehr Videos man guckt, desto schneller kommt das Gefühl hoch: Ich will auch! Ich will auch so coole Videos machen und mit der ganzen Welt teilen.

Und genau das ist der Punkt, an dem Eltern ihre Kinder begleiten sollten. Denn Kinder können bei TikTok nicht nur in Kostenfallen tappen, Kinder können ggfls. auch Kontakt zu Fremden bekommen, die es nicht gut mit ihnen meinen. Und: Kinder zeigen sich im Zweifel vor einem Millionenpublikum, wenn sie keinen geschützten Account haben, denn alle Videos auf der Plattform können bei falscher Einstellung geteilt werden. Per WhatsApp, E-Mail, auf Instagram, Snapchat und so weiter. Heißt also: Wenn mein Kind ein vielleicht eher ungünstiges Video bei TikTok teilt, kann sich das wahnsinnig schnell verbreiten und über Jahre im Netz stehen.

Medienschützer beäugen TikTok kritisch. Cybergrooming, also wenn Erwachsene Kinder über Apps, soziale Netzwerke oder Onlinegames kontaktieren und versuchen, sie zu einer sexuellen Handlung zu animieren und/ oder Nacktbilder zu tauschen ist ein Problem bei TikTok.

Die Gefahren, die von TikTok ausgehen, können Kinder oftmals überhaupt noch nicht absehen, Teenager hingegen schon eher.

Faktisch dürfen Kinder übrigens noch gar kein TikTok nutzen. Laut Nutzungsbedingungen müssen die User mindestens 13 Jahre alt sein. Wer unter 18 Jahre alt ist, benötigt offiziell die Einwilligung eines Erziehungsberechtigten. Das aber wird, wie bei allen anderen sozialen Netzwerken leider auch, vom Betreiber nicht geprüft.

Die Realität sieht dann so aus: Wenn alle in der Klasse TikTok nutzen, will es das eigene Kind eben auch.

Und auf diesen Fall möchte ich euch hier vorbereiten.

Kinder digital begleiten

Wichtige Einstellungen für mehr Schutz

Diese Maßnahmen könnt ihr treffen, wenn eure Kinder TikTok nutzen:

  • Profilbild: Dass Kind sollte nicht erkennbar sein
  • Profil: auf „Privates Konto“ stellen
  • Profilname: Aus dem Nutzername sollte nicht hervorgehen, wie der Name des Kindes ist, welches Alter und welchen Wohnort es hat. Negativ-Beispiel: Nina1989cologne
  • Unter „Privatsphäre und Sicherheitunbedingt das Profil so einstellen, dass nur Freunde dem Kind Privatnachrichten schicken dürfen
  • Folgende Funktionen lassen sich zudem deaktivieren:
    • Anderen erlauben, mich zu finden
    • Kommentare veröffentlichen
    • Duett aufführen
    • Auf Videos reagieren
    • Nachrichten empfangen
  • Hilfreich ist auch der Kommentarfilter, dem man Stichworte hinzufügen kann, die ausgeschlossen werden sollen (Zum Beispiel: sexy, cute, hot, chat, usw.)
  • Bereich „Digital Wellbeing“: Hier können Eltern nach Vergabe eines geheimen Codes einstellen, ob das Zeitlimit der Bildschirmzeit aktiviert ist. Bei aktiver Funktion beträgt das Limit 60 Minuten. Im eingeschränkten Modus werden Inhalte begrenzt, die im Zweifel nicht für Kinder geeignet sind. Wie zuverlässig diese Funktion läuft, lässt sich nicht beurteilen, sie zu aktivieren kann jedoch nicht schaden.

Der Leiter für Sicherheit bei TikTok, Cormac Keenan, hatte übrigens Ende Februar 2020 bekannt gegeben, dass es neue Features für Eltern geben wird. Natürlich will man gerade bei Eltern mehr Vertrauen gewinnen. Wann der sogenannte „Begleitende Modus“ in Deutschland startet, ist nicht bekannt, ich beobachte das täglich. Lange wird es nicht mehr dauern.

Mit dem begleitenden Modus sollen Eltern aus der Ferne den Inhalt von Feeds einschränken und Direktnachrichten stoppen können, die Bildschirmzeit begrenzen und die Konten ihrer Kinder mit ihren eigenen Profilen verknüpfen. Wichtig: Um die Funktion nutzen zu können, müssen auch die Eltern TikTok nutzen.

Fazit:

Kinder unter 13 Jahren sollten TikTok nicht nutzen. Haben Kinder ein Konto bei Tikok, sollten Eltern ihre Kids dabei eng begleiten. Die richtigen Einstellungen bilden dabei lediglich die Basis. Alles weitere ist als wichtiger Prozess zu verstehen, weil Einstellungen allein nicht schützen werden.

Wichtig ist, mit dem Kind auch im Digitalen immer im Dialog zu sein und dem Kind zu vermitteln: „Egal, was du im Netz, bei TikTok oder auf anderen Plattformen erlebst, egal wie schlimm das sein mag, erzähl es mir, wir finden dann eine Lösung.“

Autorin

Kinder digital begleiten

Leonie recherchiert seit Dezember 2018 für Eltern, auch als Kind im Netz. Was bei Kids und Teens online wirklich abgeht, wie die Apps und Geräte von Kindern sicherer eingestellt werden können, welche Anwendungen Eltern nicht kennen, aber kennen sollten und wie sie ihre Kinder im Digitalen schützend begleiten, das vermittelt sie in ihren Online-Kursen, gebündelt und kompakt.

@Kinderdigitalbegleiten

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