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Coming Out

Ein Outing ist für jede Person ein großer Schritt. Es bedeutet, dass man anderen den persönlichsten Teil seiner Persönlichkeit offenbart. Man zeigt, wie man sich fühlt und was einen beschäftigt. Meist beinhalten Gedanken vor einem Outing auch, dass man jemanden enttäuschen könnte, dass man durch seine Entscheidung, so zu leben, wie es für einen richtig ist, seine Mitmenschen vor den Kopf stößt.

Im ersten Moment sind es selbstlose Gedanken, weil man sich zuerst um andere sorgt, dabei geht es gar nicht um die Außenstehenden, sondern um sich selbst. Viele die ein Outing durchziehen möchten, verschieben es aus diesen Gründen, was es mit der Zeit immer schwerer macht, seine Situation durchzustehen.

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Bild: Patti-Saoirse

Wie hilft man einem Menschen also, der sich als trans* Person outet? Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man sich als trans* Mann, trans* Frau oder als nichtbinär outet.

Coming out

Zuallererst sollte man sich bewusst darüber sein, dass es nicht um die Außenstehende Person geht. Du hast, vor deinem coming out im Vorfeld selbst einen langen Prozess durchgemacht, denn vor dem öffentlichen Outing findet ein inneres Outing statt.

Du bist dir lange unsicher. Du weißt nicht wer du bist, oder wer du sein möchtest. Unbewusst beeinflussen dich die Stereotypen. Aber sobald du es herausgefunden hast, bereitest du dich auf dein Outing vor deinen Bezugspersonen vor. Dieses Outing hat allein mit dir selbst zutun. Du gehst den Schritt, endlich du selbst sein zu können.

Der beste Weg, der Person vor ihrem coming out dabei zu helfen, ist ihr zuzuhören. Die Person wird am besten wissen, was ihr in diesem Moment gut tut und was ihre nächsten Schritte sein werden. Aber auch das ist ein Prozess und die trans* Person unter Druck zu setzen ist der falsche Weg.

Ich glaube wir alle können unter Druck keine wichtigen Entscheidungen treffen. Und es sind viele Entscheidungen zu treffen.

Wie möchte ich mich outen? Bei wem möchte ich mich outen? Möchte ich eine Namens- und Personenstandsänderung? Welchen Namen möchte ich in Zukunft  überhaupt tragen? Mit welchem Namen möchte ich gerufen werden? Operationen? Wenn ja, welche Operationen möchte ich überhaupt? In welcher Klinik möchte ich diese durchführen lassen?

Das sind nur ein paar Fragen, die man selbst während seiner Transition beantwortet haben möchte. Und die man richtig beantworten will, wenn man sie dann gestellt bekommt!

Biete deine Hilfe an, reiche deine Hand zur Unterstützung. Sobald die Person es weiß, wer sie ist benutze die richtigen Pronomen, frag auch danach, wenn du dir nicht sicher bist. Benutz den ausgewählten Namen der Person. Sei bereit dafür, diesen auch wieder zu ändern, wenn die Person nach einiger Zeit merkt, dass der von ihr auserwählte Name doch noch nicht der richtige ist.

Der Name und auch die passenden Pronomen sind Teil der eigentlichen Identität. Der alte Name, auch DEADNAME genannt, ist ab sofort Tabu, es sei denn die Person entscheidet sich, diesen Namen zu behalten.

Wie ich schon erwähnt habe, ist dieser jahrelange Prozess für trans* Personen enorm. Die Zeit ist für Außenstehende meistens genauso aufregend und kann stellenweise sehr verwirrend werden. Auch das ist absolut verständlich. Es ist wichtig sich gegeseitig die Zeit zu geben, um zu verstehen und zu verarbeiten.

Aber wie?

Wichtig ist es, sich klarzumachen, dass die Person, die sich geoutet hat oder outen wird, immer noch die gleiche Person ist. Das Aussehen wird sich bestimmt verändern und vielleicht auch das ein oder andere Hobby, aber es ändert nichts an der Persönlichkeit des geouteten Menschen.

Trans* Personen können in der Zeit ihrer Transition öfters emotional werden und aufgebracht reagieren. Zum Beispiel bei Aussagen, die sie an unangenehme Momente erinnern. Natürlich kannst du nicht auf alles vorbereitet sein, was die Person emotional belasten kann, aber der Umgang danach ist wichtig.

Zeig Verständnis und Empathie. Hör zu und hilf der Person dabei, auf andere Gedanken zu kommen. Als Außenstehender darf man Fehler machen. Fehler sind menschlich und sollten auch nicht als böse angesehen werden, wenn man daraufhin angebracht reagiert.

Empathie ist ein großes Wort, nicht nur für die Unterstützung von trans* Personen, sondern für uns alle.

AutorIn

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Ich heiße Patti-Saoirse [‚patti ˈsiːrʃə]. Der Name Saoirse stammt aus dem irischen und bedeutet „Freiheit“. Ich habe mich in meinem Leben viel mit mir und meiner Situation auseinander setzen müssen, deshalb möchte ich anderen trans* Personen Mut machen.

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