TRANS* normal!

Ich bin eine Frau. Ein Satz, der für viele Frauen seit ihrer Geburt einfach über die Lippen geht. Ein Fakt, der nach außen hin auch klar zu sein scheint für Familienmitglieder, Freund:innen. Sie wissen es von Anfang an, aufgrund von Stereotypen, die die Gesellschaft festgelegt hat oder aus ihrem eigenen Empfinden heraus.

The Parents Next Door Blogazine Eltern Familie Gesellschaft Patti-Saoirse Trans* Person Frau Mensch

Bild: Patti-Saoirse

Für einige Menschen sind diese Fakten nicht ersichtlich. Sie kommen auf die Welt, bekommen ein Geschlecht zugeordnet und werden in Stereotypen gedrängt. Jungs spielen Fußball, tragen die Farbe Blau. Mädchen lieben Puppen und tragen die Farbe Pink. Mit der Zeit merken diese Menschen aber, dass da irgendwas nicht ganz zusammenpasst.

So wie bei mir.

Nach meiner Geburt wurde mir das männliche Geschlecht zugeordnet. Ich habe viele Autos bekommen und eine schicke Kurzhaarfrisur. Ich dachte, dass das so sein soll und dass von mir erwartet wird, dass ich diesem Bild entspreche.

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Bild: Patti-Saoirse

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich darin nicht sehe. Wie konnte sich die Bezeichnung “Junge” für mich nur so komisch und unpassend anfühlen?

Ich kann kein Junge sein.

Sich als Kind mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen ist nicht einfach. Die Vorbilder, die man zur Verfügung hat, sind die Stereotypen, die von der Außenwelt vorgelebt werden. Wenn man diesen nicht entspricht, ist man nicht normal. Kritik daran ist unangebracht, weil das so ist.

Transsexualität war für mich als Kind kein Thema, das hätte ich auch nicht verstanden. Mit den Jahren habe ich mich gesucht. Wer bin ich, wer möchte ich sein? Irgendwann hat sich der Satz: “Ich möchte ein Mädchen sein” in mir verankert. Dass ich die ganze Zeit schon eins war, war mir da noch nicht klar. Mein Gefühl hat dem aber immer schon entsprochen.

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Bild: Patti-Saoirse

Ich bin weg von meinen Eltern, hin zu großartigen Pflegeeltern, die mir in meiner Selbstfindungsphase unterstützend zur Seite standen. Ich habe mich ausprobiert. Kleider und Röcke lieben gelernt und meine Puppe immer dabei gehabt.
Meine leiblichen Eltern hätten das nie befürwortet! In meinem neuen zu Hause durfte ich endlich ich sein. Hätten meine leiblichen Eltern hinter mir gestanden, wäre ich viel schneller zu meinem Wahren ich gekommen, meinem Namen und zu Hormonen.
Stattdessen war meine Pubertät eine Qual. Ich habe mitansehen müssen, wie sich mein Körper in eine Richtung entwickelt, die nicht richtig war, für mich. Ich ekelte mich vor mir selbst und meinem Körper.

Aus Angst davor, noch mehr gemobbt zu werden, als ich es eh schon wurde, trug ich in der Schule lange noch das Kostüm eines Jungen. Außerhalb der Schule wurde ich in “Mädchenkleidung” gesehen. Natürlich sorgte das für Gesprächsstoff, bis ich mich in der 10. Klasse endlich öffentlich geoutet habe, unterstützt von Freundinnen und Klassenlehrer:innen.

Nun konnten alle mein wahres ich sehen. Mein Dank gilt heute noch den Menschen, die mir damals geholfen haben, mich auf diesen Moment vorzubereiten. Sie haben mir zugehört, mir Mut zugesprochen und waren einfach für mich da.

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Gemobbt wurde ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Klingt jetzt komisch, aber ich denke, es lag daran, dass ich den Menschen alles an Zündstoff genommen hatte das sie gegen mich verwendet haben.

Jahrelang war ich mein eigenes Geheimnis. Und als ich mich geoutet habe, war mir klar, dass ich alles andere bin, als ein Geheimnis.

Aus Angst davor, noch mehr gemobbt zu werden, als ich es schon wurde, trug ich in der Schule lange noch das Kostüm eines Jungen. Außerhalb der Schule wurde ich in “Mädchenkleidung” gesehen, was natürlich Gesprächsstoff Nummer 1 war.

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Die Situation hatte ich sehr oft, bis ich mich in der 10. Klasse endlich öffentlich geoutet habe, unterstützt von Freundinnen und Klassenlehrer:innen. Alle konnten nun mein wahres ICH sehen. Mein Dank gilt den Menschen, die mir geholfen haben, mich auf diesen Moment vorzubereiten. Menschen, die mir zugehört, mir Mut zugesprochen haben und einfach für mich da waren.

Gemobbt wurde ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Klingt komisch, aber ich denke, dass ich den Menschen alles an Zündstoff genommen hatte das sie gegen mich verwendet haben.
Jahrelang war ich mein eigenes Geheimnis. Und als ich mich geoutet habe, war mir klar, dass ich alles andere bin, als ein Geheimnis.

Man sollte sich niemals verstecken. Im Gegenteil, gerade wenn wir uns der Welt zeigen, können wir großartige Dinge bewirken.

Ab diesem Augenblick und mit dem Sorgerechtsentzug meiner leiblichen Eltern habe ich meinen Weg endlich gehen können. Ich habe Hormone bekommen und auch wenn meine Pubertät dann schon beendet war, haben sie einen guten Job gemacht, mein ganzes Leben werden sie es noch tun. Mein Name und auch mein Personenstand konnten geändert werden. In meinem Ausweis stand endlich “Patti-Saoirse, weiblich”. Das bin ich.

Der wahre Befreiungsschlag kam dann noch mit den geschlechtsangleichenden Operationen, die mich körperlich an den Punkt gebracht haben, an dem ich sein wollte. Eine Frau war ich immer, egal, was ich zwischen den Beinen hatte, aber für mich war es wichtig, den letzten Schritt zugehen. Es hat mich zu der Frau und  zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Ab diesem Augenblick und mit dem Sorgerechtsentzug meiner leiblichen Eltern habe ich meinen Weg endlich gehen können.
Ich habe Hormone bekommen und auch wenn meine Pubertät dann schon beendet war, haben sie einen guten Job gemacht, mein ganzes Leben werden sie es noch tun. Mein Name und auch mein Personenstand konnten geändert werden. In meinem Ausweis stand endlich “Patti-Saoirse, weiblich”. Das bin ich.

Der wahre Befreiungsschlag kam dann noch mit den geschlechtsangleichenden Operationen, die mich körperlich an den Punkt gebracht haben, an dem ich sein wollte. Eine Frau war ich immer, egal, was ich zwischen den Beinen hatte, aber für mich war es wichtig, den letzten Schritt zugehen. Es hat mich zu der Frau und  zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

AutorIn

The Parents Next Door Blogazine Eltern Familie Gesellschaft Patti-Saoirse Trans* Person Frau Mensch

Ich heiße Patti-Saoirse [‚patti ˈsiːrʃə]. Der Name Saoirse stammt aus dem irischen und bedeutet „Freiheit“. Ich habe mich in meinem Leben viel mit mir und meiner Situation auseinander setzen müssen, deshalb möchte ich anderen trans* Personen Mut machen.

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