Vegane Beikost

Das Internet ist voll von Horrorgeschichten über tote, vegan ernährte Kinder. Ich kann verstehen, dass die Vorstellung ein Kind vegan zu ernähren, da nicht auf viel Verständnis trifft. Wenn man sich diese Meldungen genauer ansieht, merkt man schnell, dass die wenigsten Kinder wirklich vegan ernährt wurden. Sie wurden schlicht Mangelernährt. Das bedeutet, sie haben z.B. nur Sojamilch, Pommes und Ketchup bekommen. Kein Obst, kein Gemüse, kein Brot, etc.

Da merkt auch der größte Laie schnell, dass das nicht gesund sein kann. Und so kann man nicht von einer veganen Ernährung sprechen, auch wenn diese Produkte alle vegan waren. Zudem sind es gar nicht so viele Fälle, sie werden nur sehr oft wieder erwähnt: Wenn es passiert, wenn der Prozess beginnt, wenn der Prozess endet….

So bekommt man schnell den Eindruck, es handele sich um hunderte Kinder, dabei geht es um drei. Also bitte nicht von reißerischen Überschriften blenden lassen. Die vielen armen Kinder, die verhungern obwohl sie mischköstlich erzogen wurden, finden dann leider auch eher selten eine Erwähnung…

Aber zurück zum Thema:
Am Start der Beikost wird soweit erstmal jedes Kind vegan ernährt: Die ersten Breie bestehen aus purem Gemüse/Obst/Getreide und auch beim Baby Led Weaning gibt es in der Regel erstmal Gemüse-/Obststicks oder eine Nudel in die Hand.
Meinem Baby püriertes Fleisch zu geben fand ich schon immer befremdlich, dann doch lieber ein Stück Steak, auf dem es rumlutschen kann. Doch warum überhaupt Fleisch so früh einführen? Viele kleine Bäuchlein haben große Probleme das zu verdauen.

Es geht um Eisen. Ja, Fleisch ist ein guter Eisenlieferant, es enthält viel davon, in einer gut aufnehmbaren Form. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch anders geht. So sind zum Beispiel Hafer und Hirse gute Eisenlieferanten, deren Wertigkeit du noch erhöhen kannst, wenn du etwas Obst(-saft) dazu gibst. Muttermilch enthält zwar nicht viel Eisen, es wird aber vom Körper überdurchschnittlich gut verwertet, bietet also auch weiterhin eine gute Eisenquelle (Anfangsnahrung ist natürlich auch Eisen zugesetzt).

Für Kuhmilchprodukte spricht das Kalzium und das Protein: Auch das ist beides sehr gut pflanzlich ersetzbar. Kalzium befindet sich z.B. in Brokkoli, Sesam-/und Mandelmus, Sojaprodukten und Hülsenfrüchten. Auch kalziumhaltiges Wasser kann eine gute Quelle sein.
Protein kann man sehr gut über Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Getreide und Nüssen zu sich nehmen.

Ihr seht, eine vegane Beikost ist durchaus machbar, auch hier empfehle ich – wie jeder anderen kleinen Familie auch – sich mit der Ernährung auseinanderzusetzen und am besten überwiegend frisch zu kochen. Es gibt viele Tipps und Tricks im Internet, in Büchern und Workshops, wie das gut gelingen kann.

Ich wünsche euch eine aufregende Beikostzeit,
Natascha

Autorin

vegane ernährung hebamme

Natascha ist Mutter von 3 entzückenden Jungs, Hebamme und gerade in der Weiterbildung zur veganen Ernährungsberaterin für Mutter+Kind. Sie liebt gutes Essen und gute Gespräche. „Ein Leben ohne Pommes halte ich für nicht erstrebenswert und wenn ich etwas hasse, dann ist es Essen wegzuwerfen – was man unter anderem unserem Tiefkühler ansieht und meinen Mann gelegentlich zur Verzweiflung bringt.“