Vegane Ernährung in der Schwangerschaft

Sobald eine Frau schwanger wird, scheint sie die Rechte über ihren Körper verloren zu haben. Ohne zu fragen wird ihr Bauch gestreichelt, ihr Verhalten kommentiert und ungebetene Ratschläge erteilt. Wenn diese Frau sich nun auch noch für eine Ernährungsweise entscheidet, die nicht dem gängigen Konsens entspricht: Ja, dann hat sie praktisch schon verloren.

Immer mehr Menschen werden sich des Einflusses unseres Konsums bewusst. Sei es bei Kleidung, Reisen oder eben auch Ernährung. Der Konsum tierischer Produkte hat einen tiefen Impact für die Erde – weshalb die Zahl an Veganerinnen und Veganern steigt. Trotz allem ist es immer noch eine kleine Randgruppe – und die Emotionalität des Themas Ernährung groß. Wird eine junge Frau aufgrund ihres Veganismus vielleicht noch belächelt oder bekommt ein genervtes Augenrollen zu sehen: Sobald sich Leben in ihr entwickelt ist die Empörung riesig und die Angst vor Fehlentwicklungen groß. Doch ist diese Angst berechtigt?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht sich gegen eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft aus. Das liegt aber nicht an einer „Gefahr“ dieser Ernährungsform, sondern es gibt der DGE schlicht zu wenig Studien zu diesem Thema. Andere Länder, wie Amerika, Kanada und Portugal erklären, dass auch bei einer veganen Ernährung Mutter und Kind gut versorgt sein können, sofern sie sich um eine gute Nährstoffzufuhr kümmern. Und darum sollte sich bitte jede Schwangere kümmern, egal wie sie sich ernährt. Wie komme ich an diese Nährstoffe? Durch viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte – das ist übrigens auch die Empfehlung der DGE für Mischköstler. Doch Studien belegen, dass besonders Mischköstler zu wenig von diesen Nahrungsgruppen zu sich nehmen: Ein Grund mehr, mal über seine Ernährung nachzudenken.
Ein Vitamin B12 Präparat sollte immer genommen werden. Das beweist aber nicht, dass Veganismus per se unnatürlich oder ungesund ist. Mischköstler nehmen Vitamin B12 über Fleisch und Tierprodukte auf, welches das Tier vorher ins Essen gemischt bekommen hat. Somit ist wohl auch hier nicht mehr von Natur zu sprechen.
Andere Nahrungsergänzungen können sinnvoll sein, sollten aber immer im Rahmen eines Blutbildes mit Fachpersonen, wie Ärzte, Ernährungsberater, teilweise auch Hebammen besprochen werden und nicht einfach auf Verdacht eingenommen werden. Auch dies gilt natürlich für jede andere Schwangere, denn jede Ernährungsform birgt ein Risiko für Falschernährung.

Fazit: Jeder, absolut jeder sollte sich mit seiner Ernährung auseinandersetzen, ob schwanger oder nicht. Wer dabei Hilfe benötigt, kann bei Ernährungsberatern für jede Ernährungsform und Stadium seines Lebens Rat suchen.

Alles Liebe, Natascha

Autorin

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Natascha ist Mutter von 3 entzückenden Jungs, Hebamme und gerade in der Weiterbildung zur veganen Ernährungsberaterin für Mutter+Kind. Sie liebt gutes Essen und gute Gespräche. „Ein Leben ohne Pommes halte ich für nicht erstrebenswert und wenn ich etwas hasse, dann ist es Essen wegzuwerfen – was man unter anderem unserem Tiefkühler ansieht und meinen Mann gelegentlich zur Verzweiflung bringt.“